Wir brauchen keine zusätzlichen Straßen. Wir müssen die, die wir haben, nur effektiver und ökologischer nutzen. #GrüneSpur

Es ist höchste Zeit, dass wir verhärtete Fronten in der Verkehrspolitik aufbrechen und neue Wege beschreiten, die am Ende saubere Luft, Verkehrsberuhigung, weniger Stau, bessere Öffis und kürzere Anfahrtswege ermöglichen.
Denn eines haben alle Verkehrsteilnehmer_innen gemeinsam: sie wollen zügig und sicher ans Ziel kommen. Eine Autofahrerin steht nicht gern im Stau und sucht nicht gerne ewig einen Parkplatz. Ein Radfahrer will Radwege, die ihn sicher und schnell ans Ziel bringen und nicht irgendein Gepinsel, das statistisch mehr Radfahrkilometer produziert aber kaum zu nutzen ist. Eine Fußgängerin möchte sichere Querungen, Platz zum Verweilen und zum Flanieren. Und alle gemeinsam wollen saubere Luft und Lebensqualität.

Wien nimmt diese Aufgabe sehr ernst. Wir dürfen stolz sein auf unsere Öffis, die zu den besten weltweit zählen. Mittlerweile haben in Wien mehr Menschen eine Jahreskarte, als ein Auto besitzen. Trotz allem gilt es noch viel zu verbessern. Der Öffi-Ausbau vor allem in den Flächenbezirken muss in den nächsten Jahren vorangetrieben werden. Hier bieten vor allem Ausbau und Intervallverbesserungen bei Schnellbahnen eine Riesenchance. Über kurz oder lang wird Wien auch an einem wienweiten Parkpickerl nicht vorbeikommen. Das Thema wird von der Opposition gerne emotional hochgespielt, nach erfolgter Einführung ist aber stets eine satte Mehrheit der Bevölkerung damit zufrieden. Wir werden also auch das überleben. Ein weiterer Baustein sind verkehrsberuhigende Maßnahmen in den Außenbezirken. Hier braucht es eine Mutinjektion für die Bezirksvorsteher_innen, teils unpopuläre Maßnahmen umzusetzen, die Jahre danach ohnedies auf breite Akzeptanz stoßen.

Das alles sind Bausteine hin zur Grünen Verkehrswende. Nur ist Wien keine Insel, sondern auch davon abhängig was in den Nachbarbundesländern passiert. Und da passierte in den letzten Jahrzehnten leider viel zu wenig. Der Öffi-Ausbau wurde von Niederösterreich und Co. vollends verschlafen. Da dürfen auch populistische Forderungen im Wahlkampf, wie Mikl-Leitners U-Bahn Paket nicht darüber hinwegtäuschen. Mikl erinnert mich dahingehend an Trump. Er fordert eine Mauer zu Mexiko, die Mexiko bezahlen soll. Mikl hätte gerne eine U-Bahn, nur Wien soll sie bezahlen. Da erkenne ich leider immer noch kein ernstgemeintes Bemühen. Dabei wäre genau das dringend notwendig.

Nach Wien pendeln täglich 400.000 Menschen per Pkw. Gerade mal 1,07 (!!!) Menschen werden pro Pkw transportiert. Ein offensichtliches Problem, das zwar bekannt scheint, aber das trotzdem nicht in Angriff genommen wird. Statt Lösungen zu finden, werden solche Fahrten sogar noch subventioniert. Ich möchte eine neue „alte“ Idee in die Überlegungen einbringen.

Die „Grüne Spur“

Die Autobahnzubringer nach Wien sind in vielen Fällen drei-, bis vierspurig ausgebaut. Warum nicht die äußerste Spur ausschließlich für Fahrgemeinschaften und Elektroautos freigeben? Ein System, dass in den USA schon jahrelang praktiziert wird und das auch schon in Europa positive Wirkungen gezeigt hat. In Madrid gibt es eine 15km lange Strecke, auf der eine Spur exklusiv für Fahrgemeinschaften eingerichtet ist. Nachhaltig hat sich, trotz massivem Anstiegs der Pendler_innenzahlen, die Verkehrssituation spürbar verbessert. So braucht man auf der Fahrgemeinschaftspur in der Rush-Hour statt 40min nur noch halb so lang und auch auf den übrigen Spuren ist das Verkehrsaufkommen erheblich zurück gegangen. Ähnliche Projekte gibt es in Leeds, Bristol und Trondheim. Aber auch in Österreich gibt es schon seit 1998 eine Fahrgemeinschaftspur. Auf der B127 von Rohrbach über Puchenau nach Linz. Und auch da sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache. Obwohl der Streifen nur 2,85 km lang ist, sind Mitfahrer_innen pro Fahrt durchschnittlich 20 Minuten schneller am Ziel. Gleichzeitig kann es eine effektive Maßnahme zur Reduktion des CO2 Ausstoßes sein. Expert_innen haben für die 2,85km lange Strecke nahe Linz errechnet, dass Fahrzeuge insgesamt rund 125 Tonnen weniger CO₂ pro Jahr ausstoßen.

Statistiken die wie ein Auftrag wirken. Testen wir doch Grüne Spuren für die Autobahnen rund um Wien. Die Südautobahn, die Flughafenautobahn oder auch die Donauuferautobahn würden sich als Pilotstrecken anbieten. Zeigen sich nach zwei Jahren die gewünschten Erfolge, könnte dies ein weiterer gewinnbringender Baustein hin zur Grünen Verkehrswende sein, neben dem notwendigen Ausbau des öffentlichen Verkehrs, einer Portion Mut und der Förderung der Elektromobilität.

 

 

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