Feiertage 4.0

Warum mir abseits des Wunsches, dass der 8. Mai endlich ein gesetzlicher Feiertag wird, auch eine generelle Debatte über unsere Feiertagskultur wichtig ist.

Wir leben in einem Land, in dem große Spannungsfelder der Gesellschaft leider nur selten tiefgehend beleuchtet werden und nur allzu oft in Fragen enden, die nicht mehr als Scheindebatten sind.

Kopftuchverbot: ja oder nein?
Kreuze in Schulen: ja oder nein?
Türkisch als Maturafach: ja oder nein?

Warum ist das so? Warum schaffen wir lediglich eine derart plakative Auseinandersetzung anhand eines Stücks Holz bzw. eines Stücks Stoff? Das mag viele Gründe haben. Einige liegen jedoch bereits in den Jahren der Sozialisierung und der Bildung begraben. Unser Bildungssystem schafft es viel zu oft nicht, alte verkrustete Normen aufzubrechen und gesellschaftliche Zusammenhänge anhand konkreter, aktueller Thematiken zu diskutieren. Einzelne Lehrer_innen sehr wohl, das System leider nicht. Viel zu vieles wird als gegeben hingenommen. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Und so hat er/sie sich auch schon seit frühen Kindesjahren an die schulfreien und später dann arbeitsfreien Tage gewöhnt. Hinterfragen wir eigentlich was wir da feiern? Ist es uns wichtig, warum wir frei haben oder zählt einzig und allein „dass wir frei haben“? Was sagt es über uns, dass wir größtenteils kirchliche Feiertage zelebrieren und gleichzeitig glauben, die Trennung von Kirche und Staat ließe sich mit der Diskussion über das Kreuz in der Schule abwickeln?

Eine Expert_innenkommisson soll eine Reform unserer Feiertagskultur erarbeiten

Ich möchte einen neuen Diskurs starten und einen Vorschlag in den Raum werfen.
Bilden wir eine Kommission aus Expert_innen und der Sozialpartnerschaft, die sich alle aktuellen schulfreien bzw. arbeitsfreien Tage hernimmt, sie durchleuchtet und dahingehend überprüft, ob sie in unser 21. Jahrhundert noch passen. Vorne weg: Ich möchte keinem Christen das Fronleichnamsfest nehmen oder gar verbieten, es zu feiern. ich möchte nur darüber diskutieren, ob seine identitätsstiftende Kraft und seine Bedeutung auch in unsere Zeit wirkt und es somit eines gesetzlichen Feiertags bedarf. Denn sind wir uns ehrlich: Wir feiern den Osterhasen, Geburten, Himmelfahrten und Empfängnistermine, die drei Könige aus dem Morgenland und vieles mehr. Aber wir gehen an Tagen wie dem Tag der Befreiung, dem Gründungstag der Europäischen Union, dem Tag, an dem die Charta der Menschenrechte verkündet wurde, ganz normal in die Schule und zur Arbeit. Sollten wir nicht längst abwägen, ob die Feiertage von einst heute noch ihren Zweck erfüllen. Wäre es für die Zeit, in der wir leben, für die Gesellschaft, die wir sind, für die Herausforderungen, die sich uns stellen, nicht besser, geschichtsträchtigen Ereignissen unserer Zeit zu gedenken und durch die Ernennung zum Feiertag ihre Bedeutung zu erhöhen, als alte Traditionen unhinterfragt in die nächsten Jahrzehnte/Jahrhunderte mit zu transportieren?

Es mag schon sein, dass der Heilige Leopold ein frommer Mann war und zahlreiche Klöster errichten ließ und viel für die Bildung machte, aber die Europäische Einigung schuf immerhin über Jahrzehnte Frieden auf dem Kontinent. Wie viele Österreicher_innen kennen die Geschichte des Hl. Leopold? Wie viele wissen, was an Fronleichnam gefeiert wird? Und wie viele wissen über die Europäische Union und ihre Institutionen Bescheid? Nehmen wir uns die Zeit und fragen uns: Welches Wissen würde unserer Gesellschaft in Zukunft mehr bringen?

Ich spreche mich dafür aus, dass wir unsere Feiertagskultur nicht weiter unhinterfragt lassen. Ich möchte, dass wir darüber eine intensive Diskussion starten, an deren Ende wir nicht zwangsweise mehr (und auch nicht weniger) schulfreie bzw. arbeitsfreie Tage haben, aber in Teilen andere.

Abschließend ein Plädoyer für den 8. Mai als gesetzlichen Feiertag

Der Nationalsozialismus forderte Millionen Opfer und steht für das dunkelste Kapitel der österreichischen Geschichte. Viel zu viele Jahre haben wir unsere Vergangenheit verleugnet, viel zu viele Jahre wurde Aufarbeitung nur in einem kleinen akademischen Kreis betrieben. Es ist an der Zeit, die historische Verantwortung als Gesellschaft zu übernehmen.
Es war eine Errungenschaft, 68 Jahre nach Kriegsende, erstmals das Fest der Freude am Wiener Heldenplatz zu feiern. Dort, wo bis dahin rechtsextreme Burschenschaften das Heldengedenken abgehalten haben, wird nun Jahr für Jahr gemeinsam mit Zeitzeug_innen und Menschen, die sich der historischen Verantwortung des „Nie wieder“ bewusst sind, der Tag der Befreiung gefeiert. Der Befreiung von einem menschenverachtenden Regime, das sich ein Großteil der österreichischen Bevölkerung herbeigewünscht hat, und dessen krankhafte Ideologie Gewalt, Tod und Elend über den Kontinent brachte. Heute, 72 Jahr nach Kriegsende, sollten wir endlich soweit sein, den nächsten, längst überfälligen Schritt zu gehen und dem Tag der Befreiung endlich die Bedeutung schenken, den dieser verdient hat. Es muss nicht ein zusätzlicher schulfreier Tag sein. Es gibt aber weit unwichtigere, die wir einsparen könnten. Aber der 8. Mai muss ein Feiertag für ein freies, menschliches Europa werden.

Feiern wir am 8. Mai ein freies, menschliches Europa

Der 8. Mai sollte in ganz Europa ein gesetzlicher Feiertag werden. Wien könnte dabei einmal mehr mit gutem Beispiel voran gehen und auf Landesebene einen schulfreien Tag ausrufen, um die Bedeutung dieses geschichtsträchtigen Tages in der Bevölkerung zu verankern. Schulfrei für alle Wiener Kinder, aber in Verbindung mit einem breiten, zeithistorischen Angebot an diesem Tag. Die Gräuel und die Systematik der Nazi-Herrschaft, die Leiden des Zweiten Weltkriegs und das heutige Nachwirken auf Politik und Gesellschaft, sollen in den Schulen stärker thematisiert werden. Friede, Freiheit, Demokratie und Menschenrechte sind auch bei uns in Europa nicht in Stein gemeißelt. Es liegt in unser aller Verantwortung, diese hart erkämpften Werte gegen den Nationalismus und Rechtsradikalismus zu verteidigen.
Gedenken wir am 8. Mai der Befreiung Europas aus der Mordmaschinerie des Nationalsozialismus und geben wir den Millionen Opfern von damals ein Versprechen: Niemals vergessen! Nie wieder Faschismus!

Wir brauchen keinen gemäßigten Diktator unter der Maske eines „braven Schwiegersohns“. Wir brauchen eine Veränderung des Systems. Zeit, dass sich was dreht! 

Die Selbstaufgabe einer Partei schreibt heute ihr letztes Kapitel. Jahrelang hat die ÖVP auf diesen Tag hingearbeitet. Bünde, Bundesländer und Selbstdarsteller haben sich über Jahre gegenseitig blockiert und eine gemeinsame Regierungsarbeit für Österreich unmöglich gemacht. Um die ging es ihr auch schon lange nicht mehr, sondern einzig und allein um Macht. 

Die österreichische Politik der 2. Republik war u.a. auch dadurch geprägt, dass sich rot und schwarz sämtliche Macht untereinander aufgeteilt haben. Damit haben sie sich auch die Liebe und Zuneigung der eigenen Basis gesichert. Dieses System begann zu kippen, als der zu verteilende Kuchen an Positionen, Status und Einfluss immer geringer wurde. Während rot und schwarz Anfang der 80iger Jahre noch gemeinsam über 80% der Wähler_innenstimmen hinter sich vereinten, sind es jetzt bei weitaus niedrigerer Wahlbeteiligung, keine 50% mehr. Mit diesem Verlust des Einflusses verlor man zusehends auch die Zuneigung in den eigenen Reihen. Viel zu viele sind nicht der Ideologie und den Werten gefolgt, sondern bloß der „fütternden Hand“. 

PR-Maschine Kurz: Politik 4.0, wo Inhalte nur eine Randerscheinung sind. 

In Sebastian Kurz sehen viele in der ÖVP, den Umfrage- und Beliebtheitswerten sei Dank, eine neue starke Hand, die einen die kommenden Jahre durchfüttert. Inhalte spielen dabei nicht mal eine untergeordnete Rolle. Den so genannten „Granden“ aus den Bundesländern geht es dabei rein darum, kurzsichtig den eigenen Machterhalt bei kommenden Landtagswahlen abzusichern. Was später kommt, betrifft andere. „Hinter uns die Sintflut“ war schon immer ein strategisches Element österreichischer Politik. 

Die ÖVP folgt also heute ihrem Messias. Einem Messias, der die 7 Gebote schon verlautbart hat. Es sind 7 interne Machtgebote, wenig überraschend keine Inhalte. 

Heute geht es um die Volkspartei. Ab morgen um die Zukunft unserer Demokratie.

Die Volkspartei ist mit heutigem Tag also Geschichte. Überlassen wir sie ihrem Schicksal und konzentrieren wir unsere ganze Kraft auf die Rettung unserer Demokratie. Denn ich zweifle nicht einen Moment daran, dass Kurz keine Gelegenheit auslässt, auch in unserer Republik ähnlich autoritär durch zu greifen. Ich sehe schon dunkle Gewitterwolken, wie Notverordnungen, totale Überwachung und Zerschlagung des Sozialstaats am Himmel unserer Demokratie. Die (noch) rechteren im Land dienen ihm dabei als Erfüllungsgehilfen. Da kann er sich einmal mehr Anleihen bei Orbàns Ungarn nehmen. 

Wir haben jetzt noch einen Wahlkampf und ein paar Wochen Zeit, Österreich das ungarische Schicksal zu ersparen. Wir wollen keinen gemäßigten Diktator und daher müssen wir gemeinsam, über die Parteigrenzen hinaus, aufstehen und ähnlich wie bei der Wahlbewegung Alexander Van der Bellens zeigen, dass wir für ein freies, demokratisches, gerechtes und menschliches Österreich kämpfen können. 

Ich bin gewappnet für einen harten und langen Wahlkampf. Wahlkampfmüde dürfen andere sein. Wir alle gemeinsam müssen dieses Land vor dem Unheil eines gemäßigten Diktators unter der Maske eines „braven Schwiegersohnes“ bewahren. Eine Mehrheit abseits von schwarz-blau ist möglich. Eine Mehrheit abseits von schwarz-blau ist notwendig.

Fordern wir das Notwendige. Das Mögliche ist längst nicht genug!

Notwendig um endlich das zu tun, was die ÖVP und ihre Erfüllungsgehilfen über Jahrzehnte blockierten. Eine gerechtere Verteilung des Vermögens, Chancengerechtigkeit auf allen Ebenen und Bildung die nicht länger vererbt wird. Jede Krise ist eine neue Chance. Wir stecken mitten in einer. Nutzen wir sie und drehen wir den Spieß um. Kurz scheint sich seiner Sache zu sicher zu sein. Ich habe Riesen Lust ihm seinen Karriereplan zu vereiteln und stattdessen Österreich in eine sozial gerechtere Zukunft zu führen.  

Zeit, dass sich was dreht. #change