Tag 27

Tag siebenundzwanzig und mein Tagesbudget ist mittlerweile von 7,50 Euro auf 2 Euro und 20 Cent pro Tag zusammengeschrumpft. Warum? Habe ich etwa kopflos mit Geld umher geschmissen? Ausgaben getätigt, die extrem unpassend beziehungsweise echt unnötig waren? Habe ich meine Freizeit genossen und war z.b. im Kino oder im Fitnesscenter? War ich zu den Feiertagen gut essen? Sind Reparaturen angefallen? Musste ich Geschenke für andere kaufen? Hatte ich eine hohe Stromnachzahlung?
Die Antwort auf all diese Fragen ist die gleiche: NEIN!

Nein, weil 232,50 Euro im Monat auch so schon verdammt wenig zum Leben sind. Dieses Resümee traue ich mich schon heute, fünf Tage vor Ende meines „Selbstversuches“, stellen. Deshalb kann ich auch sehr gut die Forderung von Volkshilfe Geschäftsführer Erich Fenninger, nach einer Aufstockung der Mindestsicherung, nach voll ziehen.

Mehr dazu unter: http://kurier.at/politik/inland/spoe-zerstoert-sich-mit-dieser-politik-selbst/188.821.490

Armut in einem der reichsten Länder der Erde.

Wenn wir schon über die Mindestsicherung diskutieren wollen, dann darüber ob es Aufstockungen braucht und sicher nicht über Kürzungen. Dieser grausliche Verteilungskampf von oben, den ÖVP und FPÖ da angezettelt haben, muss ein Ende haben. Die Diskussion muss am anderen Ende geführt werden. Dort wo die 3 reichsten Prozent über mehr als die Hälfte des gesamten österreichischen Vermögens verfügen. Nicht bei den unteren 50%, die nichts bis fast nichts vom „Kuchen“ besitzen. Die Mindestsicherung macht nur einen ganz kleinen Teil im Budget aus („nur“ 0,7% der Sozialausgaben) und ist ein wichtiger Anker für all jene die gerade nicht auf die Butterseite des Lebens gefallen sind. Und das werden in einer Welt, in der Reiche immer reicher werden und die Kluft zwischen arm und reich stark zunimmt, leider immer mehr. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Obwohl Österreich immer noch zu den reichsten Länder der Welt zählt, gelten in Österreich über 1,6 Millionen Menschen (19,2% der Bevölkerung) als armuts- oder ausgrenzungsgefährdet.

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Mehr Infos unter: http://www.statistik.at/web_de/presse/102889.html

Darunter sind mehr als 400.000 Kinder.
„Mehr als jedes zehnte Kind (13 Prozent) unter 16 Jahren ist „von zentralen Lebensbereichen ausgeschlossen. Dazu gehören etwa Zugang zu kindgerechten Büchern, tägliches Obst und Gemüse sowie ein Platz mit ausreichend Licht und Ruhe zum Lernen. Nur die Hälfte der Kinder aus einkommensschwachen Familien kann einmal pro Jahr auf Urlaub fahren. Fast die Hälfte (43 Prozent) der Kinder aus Haushalten mit niedrigem Einkommen übt keine regelmäßigen Freizeitaktivitäten aus, weil das Geld fehlt. Darunter fällt etwa, an kostenpflichtigen Schulaktivitäten (etwa Skikursen) teilzunehmen.“

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Mehr unter: http://oesterreich.orf.at/stories/2717430/

Wien ist die Kinderhauptstadt Österreichs.
Die Stadt Wien ist sich ihrer Verantwortung bewusst und versucht alles, diese Kinder mit zu nehmen, damit sie in unserer Stadt auch echte Chancen und Perspektiven erhalten. Deshalb hat Wien schon 2010 die höchste Kindesmindestsicherung beschlossen und eingeführt und deshalb gibt es an Wiens Schulen auch so coole Projekte, wie jenes der „Gesunden Bio-Jause“.
Mehr dazu unter: https://wien.gruene.at/soziales/gratis-schulobst-kommt-gut-an

So kompliziert das Leben, so einfach war heute mein Tag. Er bestand aus Freizeit, Freizeit und nochmals Freizeit. Und die war heute zum Glück auch völlig gratis und entspannend. Bleiben mir weiter 11 Euro und 7 Cent bis zum Ende des Monats.

Ich wünsche euch allen angenehme Feiertage, eine ruhige Zeit und entspannte Momente. Danke, dass ihr mich begleitet.

2 Gedanken zu “Tag 27

  1. Bz
    ezüglich der „Gesunden Bio-Jause“: Welche Voraussetzungen sind seitens der Schule für diese Leistung zu erfüllen? In den Schulen meiner Kinder (Halbtags-Volksschule sowie Gymnasium, beide Schulen sind öffentlich und Pflichtschulen in Wien) existiert diese Aktion nicht. In der Volksschule gibt es zwar eine gesunde Jause, welche allerdings von den Eltern der Schüler organisiert wird (wöchentlicher Wechsel der für die Verpflegung zuständigen Eltern). Wie kommt diese schulische „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ zustande und was kann man dagegen unternehmen?

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  2. einen Hinweis noch wegen „Zugang zu kindgerechten Büchern“: in Wien ist die Nutzung der Büchereien bis 18 kostenlos, und für Personen mit geringem Einkommen kostet die Jahreskarte nur 3,80 EUR! Am Land ist das je nach Gegend nicht so leicht, weil es keine flächendeckenden professionellen Bibliotheken gibt.

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