Tag 26

Tag sechsundzwanzig möchte ich mit einer guten Nachricht beginnen: Die gestern anklopfende Verkühlung dürfte ich noch rechtzeitig abgefangen haben. Fühle mich heute schon wieder weitaus fitter. Danke euch allen für die zahlreichen Tipps zur Genesung. Kann man immer wieder mal brauchen.

Nach sechs intensiven Tagen Tenniscamp mit meinen Kids bin ich zurück in Wien und das Erste, was ich gemacht habe, beziehungsweise machen musste, war ein „Großeinkauf“ vor den anstehenden Feiertagen. Der ist sich gerade noch ausgegangen. Zum Glück, denn ansonsten hätte ich entweder schummeln oder hungern müssen. Denn mit knapp 30 Euro Restbudget für den Monat kann man auch an Feiertagen nicht groß auswärts essen gehen.
Der angesprochene „Großeinkauf“ war, ob der Tatsache, dass mein monatliches Budget immer knapper wird, auch gar nicht so groß.

Fast neidisch blickte ich heute mehrmals auf die Einkaufswägen und Tragetaschen anderer. Da haben nicht wenige beim Feiertagseinkauf ganz tief in die Tasche gegriffen. Mindestsicherungsbezieher_innen können sich das nicht leisten. Weder zu Ostern, noch zu Weihnachten und schon gar nicht sonst wann im Jahr. Hier muss Monat für Monat jeder Cent mehrfach umgedreht werden. Und sollten wirklich mal ein paar Euro auf der Haben-Seite sein, dann spart man/frau diese wohl lieber für etwaige Reparaturen oder sonstige anfallende Kosten. Darüber sollten alle mal nachdenken, die jetzt während der Feiertage mit der Familie vor dem Braten, dem Karpfen oder sonst irgendeinem Festmahl sitzen. Nein, ihr dürft das ruhig alle ohne schlechtes Gewissen essen, aber bitte denkt dran, wenn ihr das nächste Mal die Mär von der sozialen Hängematte Mindestsicherung erzählt bekommt. Dieses Märchen tischen euch jene Herren von ÖVP und FPÖ regelmäßig auf, die ihren Ostereinkauf wohl beim Meinl am Graben und ihre Geschenke bei Tiffany eingekauft haben. Wir, die Masse, die das nicht tut, sollten daher die Geschichten der Märchenonkel nicht glauben. Dient alles nur zur Ablenkung. Alles nur, weil die Reichsten im Lande nicht wollen, dass wir alle gemeinsam die richtigen Fragen stellen. Die wären nämlich:

Warum ist Reichtum so ungerecht verteilt?
Warum gibt es in Österreich keine Vermögenssteuern, obwohl die reichsten 3% mehr besitzen als die übrigen 97%?
Warum sind unsere Löhne im Vergleich zu den Lebensmittelpreisen und den Wohnkosten seit den 1970iger Jahren quasi um „Null Komma Josef“ gestiegen?
Warum will man denen, die ohnedies nicht mal 4% des Vermögens besitzen (die unteren 50%), noch etwas wegnehmen?
u.v.m.

Aber noch etwas anderes ist mir heute im Supermarkt aufgefallen: Kurz vor Kassaschluss waren noch unzählige frische Lebensmittel auf Vorrat zu haben. Sowohl bei den Backwaren als auch in jeder anderen Abteilung (Fleisch, Fisch, Käse,…). Passt super zum Bild der Wegwerfgesellschaft und führt mich direkt zu einer Petition von Greenpeace, die ich euch allen sehr ans Herz legen möchte.

 

Unterstütze die Petition „Essen verschwenden ist Mist“
http://lebensmittel.greenpeace.at/?utm_source=facebook&utm_medium=post&utm_term=nonsearch&utm_campaign=konsum&__surl__=IgNI8&__ots__=1459013374080&__step__=1

„Essen verschwenden ist Mist!
Unser Lebens­mittel­system hat ein gewaltiges Problem: 30 % der welt­weit produzierten Lebens­mittel landen unangetastet im Müll. Allein in Österreich betrifft dies jährlich min­destens 500.000 Tonnen an ungenutzter Nahrung. Dabei übersteigt unser öko­logischer Fuß­abdruck bereits heute die Grenzen unseres Planeten.
Es ist Zeit, sich drei großen Bereichen der Verschwendung zu stellen:
Zehntausende Tonnen Obst und Gemüse landen jährlich im Müll, weil sie nicht den Ansprüchen des Marktes entsprechen.
Falsches Einkaufsverhalten führt zu unnötigem Müll in den Privathaushalten.
Unmengen an genießbarem Essen werden irrtümlicherweise bereits am Mindesthaltbarkeitsdatum entsorgt.
Wir brauchen endlich gesetzliche Rahmenbedingungen, die unser Essen vor dem Mist retten. Wir fordern daher, einen konkreten österreichweiten Umsetzungsplan zur Halbierung der Lebensmittelabfälle bis 2030!“

Ich würde mich wirklich freuen, wenn viele meinem Beispiel folgen und diese Petition unterstützen.
Nach dieser Werbeeinschaltung zurück zu meinem Tag: Der endet mit selbstgemachten Mohnnudeln und mit einem Blick auf meinen aktuellen Kontostand. Dieser beträgt nach Abzug des Großeinkaufes und Abzug der beiden Weckerl vom Bäcker spärliche 11 Euro und 7 Cent. Bleiben mir pro Tag noch satte 2,20 Euro. Na dann frohe Ostern und gute Nacht.

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