Tag 23

Tag 23 startet mit dem Klingeln des Weckers kurz vor 7:00. Zum Frühstück das gewohnte Bild aus Weißbrot, Honig und Marmelade. Plus Kaffee natürlich. Ich weiß, viele finden das zum Teil schrecklich ungesund, aber ich muss gestehen, mir schmeckt Weißbrot einfach am besten und meine Frühstücksgewohnheiten unterscheiden sich nicht wesentlich von denen in anderen Monaten. 

Nach dem Frühstück gibt’s nicht wirklich ein Verschnaufen, sofort geht’s los mit dem Trainingsprogramm. Alle Kids, die beim Tenniscamp dabei sind, sind voll motiviert und geben tagtäglich ihr Bestes. So macht Arbeit Spaß.

Nichts geht mehr „einfach so“.

In einer Pause mache ich mir kurz Gedanken zu Ostern und ob ich für ein paar Tage zu meinem Vater ins Burgenland fahre. Eine „ehrliche“ Rechnung lässt das eigentlich nicht zu. Ich kann mir diesen Monat weder Öffi-Tickets (hin und retour) ins Südburgenland leisten, noch viel weniger hätte ich das nötige Budget für Auto und Sprit. Dass die Öffi-Verbindungen ins südliche Burgenland noch dazu katastrophal ausgebaut sind, ist eine andere Geschichte, die ich hier aber auch nicht unerwähnt lassen möchte.

Jedenfalls wird mir einmal mehr bewusst, wie wenig Geld diese 232,50 Euro im Monat eigentlich sind.  Ich will gar keine Ostergeschenke kaufen, das machen wir familiär ja eh schon lange nicht mehr. Aber es scheitert schon an den Kosten der Mobilität. Pervers. Alle, die nach einer Kürzung schreien, schreien somit indirekt auch nach einer „Isolationshaft“ für sozial schwache Menschen.
Ich beschließe, Anfang April mal zu meinem Vater runter zu fahren, dann besuche ich auch das Grab meiner Mutter. Das ist mir wichtig, doch auch für solche Ausgaben (Blumen und Co.) wären im momentan engen Budget kaum Reserven vorhanden. 

Ich schummle also offen und ehrlich.  Es geht sich im März nicht aus, macht es der „Herr Politiker“ halt im April. Bei all den echten Betroffenen beginnt im April das Umdrehen eines jeden Cents erneut. Ich ärgere mich gerade über die schwarzen und blauen Realitätsverweigerer, denen 7,50 Euro am Tag für das eigene Leben zwar zu wenig sind, die aber anderen diese Leistung noch weiter kürzen wollen. Geht gar nicht. 

Die Menschen wollen keinen Verteilungskampf von oben.

Wie weit schwarz und blau da vom Willen der österreichischen Bevölkerung entfernt agieren, zeigt eine jüngst veröffentlichte Umfrage im Auftrag der Volkshilfe.

„79 Prozent finden, dass man lieber Vermögende höher besteuern sollte, als Kürzungen bei Leistungen für die Ärmsten vorzunehmen.“

Mehr dazu unter:
http://m.kleinezeitung.at/s/politik/innenpolitik/4952217/index.do

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Mehr unter: http://de.slideshare.net/mobile/MelanieRami1/volkshilfe-sozialbarometer-mindestsicherung

Die Forderung Erich Fenningers, nach einer Aufstockung der Mindestsicherung, teile ich. Statt eines von schwarz und blau geführten Verteilungskampfes von oben, braucht es soziale Netze die so ausgestattet sind, dass sie Menschen auffangen und ihnen Perspektiven und Chancen zurück zu einem selbstbestimmten Leben ermöglichen.

Zurück zum Tag. Meine Ausgaben belaufen sich heute auf 8,95 Euro, was acht Tage vor Schluss ein verbleibendes Budget von 49,80 Euro ausmacht. Bleibt zu hoffen, dass im März keine allzu großen Ausgaben mehr anfallen. Bei den täglichen Ausgaben muss ich aber auch wieder stärker den Sparstift ansetzen, sonst wird das alles verdammt eng.

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