Tag 22

Tag zweiundzwanzig und ich mag heute nicht so recht aus dem Bett raus. Ich liege rum und denke nochmals lange über mein Interview/Gespräch mit Bernadette nach. Vieles an ihrer Geschichte beschäftigt mich in meinen Gedanken und das Gefühl, in einer ungerechten Welt zu leben, lässt sich noch schwerer als sonst wegdrücken. Ich möchte trotzdem noch ein, zwei Worte dazu verlieren. Ein ehemaliger Tenniskollege von mir hat rein von der Ausbildung und seinem Potential her ähnliches „mitgebracht“ wie Bernadette. Sie schloss zwei Studien ab. Er eines (Umweltmanagement). Sie spricht perfekt Spanisch. Er ebenso. Sie entschied sich nach ihrem Studium für eine Karriere als Autorin und engagierte sich in sozialen Projekten. Er bekam ein Angebot von Novomatic in Chile. Wer von beiden jetzt eine sorgenfreiere Geldsituation hat, brauchen wir nicht länger ausführen, aber dieses Beispiel zeigt sehr gut, in welchen Zeiten wir leben und wie wenig sozial- und geisteswissenschaftliche Tätigkeit wertgeschätzt wird. Nicht „produktiv“ genug in Zeiten des Neoliberalismus und eines Turbokapitalismus, der keine Sekunde das „gute Leben für alle“ im Blick hat. Ganz im Gegenteil geht’s in Wahrheit um die maßlose Bereicherung einiger weniger auf Kosten aller anderen.

Weiter im Bett liegend lese ich mir noch einige weitere Rückmeldungen durch und stoße dabei auf einen Musiker und vierfachen Vater, nennen wir ihn Bernd*, der mir folgendes geschrieben hat:

image

Das Echo auf meine Aktion ist riesig und die Zuschriften werden von Tag zu Tag mehr. An manchen Tagen bin ich echt überwältigt, wie sehr mich Menschen an ihrem Schicksal teilhaben lassen. Und teilen doch viele ein ähnliches Schicksal, so sind die Geschichten und Erfahrungen dahinter sehr verschieden. Ich möchte nochmals DANKE sagen, dass ihr alle mich tagtäglich begleitet. Dank euch fühlt sich das verdammt richtig an, was ich mache, meine Intention und meine Motivation dahinter sind, euer Sprachrohr zu sein. Ein Sprachrohr für die Menschen, über die von Seiten der Politik in den letzten Wochen und Monaten viel gesprochen wurde, mit ihnen allerdings kaum. Ich freue mich auch weiter über eure Anregungen, euer Feedback, eure Geschichten und eure Kritik. DANKE

Von 7,50 pro Tag sind mir gerade mal etwas mehr als 6,50 pro Tag geblieben…

Was gibt es zum heutigen Tag aus wirtschaftlicher Sicht zu berichten? Die Tagesausgaben belaufen sich am Ende auf 12,70 Euro. Ein Großteil der Ausgaben ging für den Superkleber drauf, der Rest für Verpflegung. Jetzt hoffe ich, dass meine Schuhe damit wieder „schlechtwetterfit“ sind, damit sich die schmerzhafte Ausgabe wenigstens gelohnt hat. Somit bleiben mir für die restlichen neun Tage 58,75 Euro. Macht 6,52 Euro pro Tag.

Together we stand, divided we fall.

image

Heute sind wir im Gedanken aber eigentlich alle bei den Opfern von Brüssel. Schreckliche Ereignisse wie diese hinterlassen Schock, Trauer und Wut. Jene Gefühle, die ich tagtäglich in mir spüre wenn ich die Bilder aus Syrien und von Europas Grenz(zäun)en sehe.
Heute sind wir als Nation Mensch mehr gefragt denn je. Lassen wir uns nicht von Terroristen, Nationalisten, Rassisten und Antisemiten auseinander dividieren.
Bekämpfen wir den Terrorismus und bekämpfen wir zugleich seine Ursachen. Das machen wir in dem wir Mut beweisen und mit MEHR FREIHEIT, MEHR DEMOKRATIE und MEHR SOZIALER GERECHTIGKEIT antworten.
Wir alle sind die Nation Mensch. Handeln wir endlich auch so!

Ein Gedanke zu “Tag 22

  1. Lieber Herr Kovac!

    Ich würde Ihnen gerne meine Geschichte schildern, da ich von Ihrem Projekt sehr begeistert bin und meine, dass diesen Versuch einmal alle reichen Politiker wagen sollten.

    Wie es in meinem Fall ist.
    Ich bin 22 Jahre und gebürtige Österreicherin. Ich habe schon mehrere Jahre gearbeitet habe nur leider keinen Abschluss da ich meine Ausbildung wegen Krankheit damals aufgeben musste und seitdem ging es nur noch bergab.
    Bis ich endlich einen Kurs fand wo ich meinen Abschnuss als Chemielaborant nachholen kann.
    Da ist die Frage mit dem Ams auch noch nicht geklärt ob diese die Kosten für den Kurs übernehmen. Ich werde auch wieder in 2 neue Deppenkurse gesteckt anstatt mir eine sinnvolle Beschäftigung zu geben…
    Und dann wurde ich noch gesperrt weil ich mich von 2 Tagen Krankenstand nicht zurück gemeldet habe und somit die Hälfte des Geldes für Jänner verlor… So ich bezahle aber 590€ Miete für eine 45 m2 Wohnung im 10. Bezirk… Natürlich privat, denn auf etwas von Stadt habe ich laut denen keinen Anspruch da ich eine Wohnsituation habe und Genossenschaft ist sehr teuer ich habe keine 30.000 € als Anzahlung …. Jedenfalls bekam ich dann im Feb ( das geld beim Ams bekommt man immer im darazffolgenden Monat für den letzten Monat) ganze 380€.
    Meine Fixkoszen belaufen sich auf fast 700€ und ich bekomme 775€ Notstandshilfe ..normalerweise.
    Ich will endlich arbeiten aber das Ams hilft nicht und mich stellt einfach niemand ein …. Und da heisst es sogar beim Ams, dass man Kontakte braucht um an einen Job zu kommen… Da ich aber seit über 1 Jahr keinen Job finde woher sollte ich derartige Kontakte haben?
    Ich komme keinen Monat mit dem Geld aus mir bleiben knapp 75€ im Monat zum Leben.
    Und wenn ich ansuche auf Beihilfen zB um Hilfe bei einer enormen Wienenergienachzshnung von über 700€ werde ich abgeleht weil ich erst Mindestsicherung ansuchen muss das mir damals als ich beim Ams um Notstandshilfe ansuchen musste niemand gesagt… Das sind Dinge die mich wahnsinnig aufregen, denn durch die Unwissenheit der Ams-Berater verliert man auch noch das Bisschen, das einem eigentlich noch zusteht….

    Sie sollten auf jeden Fall noch die Schikanen des Ams erwähnen.
    Denn wie es jetzt bei mir war – ich war gesperrt weil ich mich nicht aus den Krankenstand zurückgemeldet hatte( das musste ich zuvor noch nie aber gut) die Hälfte von Jänner weg… Und dann hab ich bis 18.3.16 keinen Cent mehr erhalten weil das Ams nicht einmal fähig ist Zettel wo sie nur den Bezug drausschreiben müssen richtig auszufüllen..
    Wenn mir meine Eltern nicht helfen würden allein wäre ich schon längst in die Obdachlosigkeit gerutscht… Also von wegen das geht nicht so schnell wie manche meinen …. Das kann schneller gehen als man denkt überhaupt mit den ständigen Schikanen des AMS…. Da wird man richtig in Depressionen getrieben – man wird isoliert – hat kein Geld – und dann denkt man sich irgendwann was bitte bringt das alles noch das ist kein Leben….

    Falls Sie Interesse haben meine ganze Geschichte zu erfahren ich hinterlasse meine Emailadresse ubd würde mich wahnsinnig freuen.

    Mit freundlichen Grüßen

    S.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s