Tag 21

Heute möchte ich eine ganz besondere Erfahrung mit euch teilen. Das Zusammentreffen mit Bernadette letzte Woche.

 

 

Ich bin sehr dankbar, dass Bernadette sich bereit erklärt hat, über ihre Erfahrungen zu sprechen. Ihre Geschichte löst bei mir immer noch Gänsehaut aus und es hinterlässt mich verbittert, dass wir es nicht schaffen, Menschen mit ihren Potentialen und Möglichkeiten in unserer Gesellschaft willkommen zu heißen.
Ich will, dass sich das in Zukunft ändert. Daran müssen wir alle gemeinsam arbeiten. Und um Menschen wie Bernadette auf dem Weg dorthin nicht zu verlieren, müssen wir jetzt erstmal unser Sozialsystem gegen die schwarzen und blauen Angriffe verteidigen, um auch weiter in einer Stadt zu leben, die niemanden zurücklässt. Gemeinsam gelingt uns das!

In den letzten zwanzig Tagen bekam ich eine ganze Fülle an Zuschriften per Mail und auch Rückmeldungen auf anderen Kanälen. Darunter waren ganz viele persönliche Geschichten und Erfahrungen von jetzigen oder vergangenen Mindestsicherungsbezieher_innen. Die Geschichten waren so vielfältig und individuell verschieden. So unterschiedlich der Weg in die Mindestsicherung oft sein mag, so ähnlich sind im Alltag oft die Probleme: Sie drehen sich alle um die Frage, wie man/frau mit so wenig Geld auskommen kann. Und das in einer Zeit, wo Fußballer um hundert Millionen von einem zu einem anderen Verein wechseln. Wo Manager im zweistelligen Millionenbereich verdienen und wo die Politik gleichzeitig zulässt, dass große Konzerne wie Ikea, Starbucks, Google, usw. Millionenbeträge mithilfe von Steuerschlupflöchern am Fiskus vorbeischummeln. Wir leben in einer irren Welt. Und diese Welt lässt immer mehr Menschen zurück. Wir müssen diese Entwicklung stoppen. Das wird der zentrale Kampf unserer Generation sein. Beginnen wir, ihn gemeinsam zu kämpfen.

Mein Tag tritt heute in den Hintergrund.
Ich starte ins letzte Drittel meines Selbstversuches und da wir uns bereits in den Osterferien befinden, steht ein Tenniscamp mit meinen Tennis-Kids auf dem Programm. Hierfür gelten dieselben Regeln, wie für meinen Turniertrip nach Villach(siehe Tag 10). Ich habe von Beginn an klar gemacht, dass Job und Wohnung aus meinem Versuch ausgeklammert werden. Anders ginge es ja gar nicht. Mein Monat kann ohnedies nicht annähernd mit der wahren Situation von Mindestsicherungsempfänger_innen gleichgesetzt werden. Diesen Anspruch habe ich auch nie gestellt. Und genau deshalb ist es mir so wichtig, auch weiterhin echte Betroffene in meinen täglichen Beiträgen vorkommen zu lassen.

Kontostand zehn Tage vor Ende des Monats: 71,45 Euro.

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