Tag 14

Tag vierzehn und dank meiner erfolgreichen Tennisschüler_innen bin ich immer noch in Villach.

Obwohl beruflich also in Kärnten, war ich gedanklich heute zuweilen in Wien. Genauer gesagt bei meinen Freund_innen in Liesing, die heute gemeinsam mit einer starken Zivilgesellschaft ein kräftiges Zeichen für Toleranz und Menschlichkeit gesetzt haben, indem sie sich der rechten Demo gegen die Flüchtlingsunterkunft in den Weg gestellt, und für ein menschenwürdiges Leben voller Chancen und Perspektiven für Flüchtlinge demonstriert haben.

Wäre die Welt eine andere, hätte es heute keine Demo und Gegendemo gegeben. Denn nicht die geflüchteten Menschen sind das Problem, wie es die FPÖ den Menschen einzureden versucht, sondern die ungerechte Verteilung des Reichtums. Denn sowohl in der Flüchtlingsunterkunft, als auch bei der Demo dagegen, sind eben jene Menschen in Hülle und Fülle vertreten, denen die notwendigen Chancen und Perspektiven fehlen. Doch anstatt einen Schulterschluss gegen die „da oben“ zu wagen, lässt man/frau sich lieber von denen, die vom bestehenden System profitieren, instrumentalisieren. Jene, die beim Teller mit dem großen Brocken des Verteilungskuchens sitzen, lachen sich darüber ins Fäustchen. Das Spiel funktioniert seit eh und je und ist weit älter als jede Form der Demokratie.

Solidarität nach oben statt nach unten

Das Spiel nennt sich „wie schaffe ich es, dass ein paar wenige Profiteure eines Systems eine breite Mehrheit für dessen Erhalt finden“. Die Antwort ist immer die gleiche. Man sucht nach geeigneten Sündenböcken. In Zeiten großer Fluchtbewegungen sind die schnell bei der Hand. Andernfalls wären es halt Migrant_innen, die sich schon länger im Land aufhalten oder notfalls wäre es das Spiel „jung gegen alt“, bzw. „Frau gegen Mann“. Funktioniert seit Jahrhunderten blendend. Am Ende gewinnen immer die „da oben“. Dieser Kreislauf muss durchbrochen werden. Wir müssen aufzeigen, wo die wahren Gründe der Unzufriedenheit liegen. Wir müssen verdeutlichen, wer zu den Gewinner_innen und wer zu den Verlierer_innen des bestehenden Systems gehört. Dann werden viele überrascht sein, wer aller auf ihrer Seite des „Spiels“ steht.

Beispiel Mindestsicherung

Einige Bundesländer brechen verfassungswidrig 15A-Vereinbarungen und argumentieren das mit der Notsituation in der „Flüchtlingskrise“. In Wahrheit ist es der Anfang vom Ende des Sozialstaates, wenn es nach schwarzblau im Land geht. Zuerst sind es die Flüchtlinge, dann trifft es alle. Alle, die ohnedies nur das allerkleinste Stückchen vom Kuchen besitzen. Ein grausiges Spiel. Stattdessen müsste man/frau zusammen stehen und dürfte sich keinen Millimeter auseinander dividieren lassen. Denn nicht die Mindestsicherung für subsidiär Schutzberechtigte ist zu hoch. Sondern das Vermögen im Land ist unfassbar ungerecht verteilt und die Kluft zwischen arm und reich wird größer und größer.

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Die Mindestsicherung ist nicht zu hoch. Für keine der diversen Empfänger_innengruppen. Sie macht ja auch nur 0,8% vom Österreichischen Budget aus. Was aber tatsächlich zu hoch ist, ist die Besteuerung auf den Faktor Arbeit. Denn während Österreich nach wie vor ein Paradies für Vermögen ist, wird Arbeit längst nicht gerecht entlohnt.

Deshalb: Löhne rauf und Vermögenssteuern einführen.  Umverteilung jetzt.

Dann brauchen auch Beate und Karli aus Floridsdorf nicht mehr sauer auf die Laila aus der Donaustadt oder den Ahmed aus Favoriten sein. Alle sollen sich lieber zusammenschließen und so lange gemeinsam auf die Barrikaden steigen, bis die vielfältigen Steuerschlupflöcher geschlossen und Briefkästen in der Karibik der Vergangenheit angehören.  Es gibt noch viel zu tun. Fangen wir am richtigen Teller damit an: Dort, wo das größte Stückchen des Kuchens liegt.  Dort, wo die 5% der Vermögendsten mehr als 50% des Reichtums besitzen.

Ihr seht, das hat mich heute wirklich beschäftigt. Mein Tag dagegen war wenig spektakulär. Ausser man interessiert sich für Tennis. Die Essensausgaben belaufen sich auf 6,51 Euro. Dazu kam eine Kaffeeeinladung, was heißt, dass ich diese Woche nur noch eine Einladung gut habe, um die Regeln nicht zu verletzen. Diese lauten: maximal zwei Einladungen pro Woche. Nur Getränke, kein Essen.

Mein Kontostand nach Tag 14 sieht wie folgt aus: 111,76 Euro.

Sparsame Tage stehen mir also bevor…

Leseempfehlung:
„Europa braucht uns“
Aktueller Blogeintrag der Grünen Integrationssprecherin Faika El-Nagashi

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