Tag 13

Tag dreizehn beginnt so wie alle Tage hier bei den Staatsmeisterschaften. „Warm Up“ am Morgen,  danach Frühstück und dann ein Turniermatch nach dem anderen.

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Die schlechte Nachricht gleich zu Beginn: Im Turnierstress habe ich ganz darauf vergessen, Essensvorräte zu kaufen. Und da heute Sonntag ist und alle Supermärkte geschlossen haben, muss ich wohl in der Kantine was halbwegs Günstiges zu Essen finden. Dass alles eigentlich viel zu teuer für mein Budget ist, habe ich euch ja schon am Freitag mitgeteilt. Aber beim engen Zeitplan bleibt mir nicht viel übrig. Entweder einen Tag hungern oder entgegen dem eigenen Finanzplan sündigen.
Schweren Herzens opfere ich also 6,90 Euro für Penne Bolognese. Dazu trinke ich lediglich ein Glas Leitungswasser. Meine wiederholte Leitungswasser-Bestellung macht die Kellnerin wohl genauso happy wie das von mir nicht bekommene Trinkgeld. Doch auch das ist für mich diesen Monat nicht drin. Und das löst schon ein gewisses Unwohlsein aus. Ich bin jemand, der gerne und regelmäßig Trinkgeld gibt. Kellnerinnen bekommen ja auch vielfach zum Leben zu wenig. Da darf man als Gast schon großzügig sein, denke ich mir im Normalfall. Heute und die Tage davor denke ich zwar immer noch dasselbe, aber um mit meinem Monatsbudget aus zu kommen, schlucke ich lieber das unangenehme Gefühl herunter.

Wie fühlt man sich wohl, wenn man Monat für Monat mit 232,50 Euro auskommen muss? Auswärts essen oder auch nur was trinken, daran ist im Normalfall nicht zu denken. Selbst zu kochen, ist mit Sicherheit die Regel.

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Trinkgeld ist da wohl eher sowas wie ein exotisches Fremdwort.
In meiner Lage ist das daraus resultierende Unwohlsein wohl eher als eine Art „Luxusproblem“ zu klassifizieren.
In einem ruhigeren Moment werde ich mich trotzdem an die Bar setzen und der Kellnerin von meiner „Aktion“ erzählen. Das nehme ich mir ganz fest vor, allein schon, damit mein Unbehagen kleiner wird.

Am Ende des Tages bleiben mir 118,27 Euro und die Freude, am Montag noch drei Schüler_innen im Bewerb dabei zu haben.

FAKT:
Reichtum ist in Österreich extrem ungerecht verteilt und die Kluft zwischen Arm und Reich wird größer und größer. Einige Wenige profitieren auf Kosten der Masse vom bestehenden System. „Big Player“ und Millionäre bevorzugt. Arbeiter_innen, Angestellte, kleine Selbstständige und Co. stecken derweil in der Geiselhaft eines Turbokapitalismus, an dessen Ende nur wenige Profiteure stehen.

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Deshalb: Vermögenssteuern besser heute als morgen! Reichtum gerecht verteilen. Damit alle genug zum Leben haben! 

Ein Gedanke zu “Tag 13

  1. Finde deine Aktion sehr gut und würde mir wünschen, dass mehr Politiker mal so einen Selbstversuch starten würden. Nur: Kein Trinkgeld zu geben wenn die Kellnerin freundlich ist geht gar nicht. Das steht ihr für das Service einfach zu und muss daher einkalkuliert werden.
    Außerdem frage ich mich, wie du dich fortbewegst (wenn du nicht gerade im Camp bist). Weil Öffis oder gar Auto sind kostspielig, deshalb stellt sich jemandem mit wenig Geld immer die Frage: Nehme ich das Rad, gehe ich zu Fuß oder leiste ich mir einen Fahrschein oder Benzin? Das ist dann leider keine Entscheidung aus ökologischen sondern aus ökonomischen Gründen. Zu den Fixkosten kann man das ja nicht rechnen, weil es vom eigenen Verhalten abhängt.
    Wünsche dir weiterhin viel Erfolg und werde das Projekt gespannt weiterverfolgen.

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