Tag 8

8.März
Internationaler Weltfrauentag und mein Geburtstag

Zur Feier des Tages gönne ich mir gleich mal von der Bäckerei ums Eck frisches Gebäck um 2,15 Euro. Danach läutet das Telefon und die ersten familiären und freundschaftlichen Glückwünsche werden übermittelt. Viele weitere werden im Laufe des Tages folgen. DANKE euch allen, dass ihr an mich gedacht habt. Echt lieb. 

 
Nach getaner Arbeit am Computer geht’s mit dem 44er Richtung Brunnenmarkt zum Frauentagsinfostand der Grünen Ottakring. Frauen verdienen in Österreich durchschnittlich um 23 Prozent weniger als Männer. Solange diese Ungerechtigkeit besteht, wird jeder meiner Geburtstage gleich beginnen – mit politischem Aktionismus und einer klaren Botschaft: „Frauen brauchen immer noch mehr Einkommen und eine Umverteilung gegen die wachsende Frauenarmut.“

Mehr unter: https://wien.gruene.at/frauen/her-mit-mehr

 
Direkt danach muss ich weiter zur Klubsitzung ins Rathaus. Ich habe aus dem gestrigen Tag gelernt (wo ich erstmals hungrig nach Hause kam, da sich eine Sitzung an die andere reihte und ich mich den Regeln entsprechend nicht von bereitgestellten Buffets ernähren wollte, gleichzeitig aber keine Zeit zum Einkaufen fand) und mir Gekochtes von Montagabend mitgenommen. Nicht so lecker wie das Buffet, aber zumindest muss ich nicht den anderen beim Essen zuschauen und lediglich an einem Glas Wasser nippen. 

                                                                                                                       
Der Sitzungsnachmittag ist zu Ende und mein nächster Termin führt mich nach Liesing, wo ich gemeinsam mit dem dortigen grünen Klubobmann eine Bürger_inneninitiative gegen Fluglärm treffe. Direkter Bürger_innenkontakt ist mir ohnedies das Wichtigste. Das ist meiner Meinung einer der Grundpfeiler der Politik und die Garantie dafür, nicht zu stark in Richtung parteipolitischer Tunnelblick abzudriften. Egal ob man gelobt, kritisiert oder mit Worten angegriffen wird. Die persönliche Ebene zu deinen (zukünftigen) Wähler_innen kann nichts ersetzen. Ich liebe es.

Nach diesem Exkurs, zurück zu meinem Tag. Diesen beschließe ich beim Bezirksorganisationstreffen der Grünen Ottakring. Dort bleibe ich heute allerdings nicht lang, da ich mir am späten Abend noch eine kleine familiäre Feier gönne und es mir ein bisserl gut gehen lasse.
Beim Tippen dieser Zeilen denke ich dran wie sorglos ich doch bei vielen Dingen sein kann. Ich hab mich heute für eine kleine, private Feier entschieden, eine grosse Party wäre aber finanziell im Normalfall auch drin. Bei realen Mindestsicherungsbezieher_innen sieht das Ganze wohl anders aus und ich frage mich wie sorgenvoll sie oft Feierlichkeiten entgegen blicken. Vielleicht nicht unbedingt den Eigenen, aber so manche Einladung zu Geburtstagen und Festen von Freundinnen und Freunden, wird wohl neben Freude auch manchmal ein maues Bauchgefühl mit sich bringen.

Meinem Bauch geht’s heute mehr als gut. Meine Bezirksorganisation versüßte mir den Tag mit einer leckeren, selbstgemachten Torte. DANKE 

image

 
Der finale Blick auf den Kontostand weist 154,40 Euro auf. Sprich 6,71 Euro, die mir in den nächsten 23 Tagen pro Tag zur Verfügung stehen.

 

FAKT: FRAUEN sind stärker von Armut betroffen.

„Frauen waren in allen Bundesländern in stärkerem Ausmaß auf Unterstützung aus der Mindestsicherung angewiesen als Männer. Insgesamt lag der Anteil der Frauen an den BMS-Bezieherinnen und -Beziehern bei 39% (100.235 Personen), während auf die Männer 33% (85.837) und auf die Kinder 27% (70.333) entfielen. Von den Frauen als Betroffenengruppe abgesehen, bildeten die Alleinstehenden die größte Unterstütztengruppe (36% der Personen), gefolgt von den Paaren mit Kindern (29%) und den Alleinerziehenden (16%).“ http://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/soziales/sozialleistungen_auf_landesebene/bedarfsorientierte_mindestsicherung/index.html

Es ist unsere Pflicht, nicht nur am 8. März, sondern tagtäglich gemeinsam dafür zu kämpfen, dass mit dieser Ungerechtigkeit endlich Schluss ist. Schwarz und blau wollen jedoch die Regeln für die Mindestsicherung weiter verschärfen und drohen im ganzen Land mit Kürzungen. Sie schreien „Flüchtlinge“, meinen aber alle. Hauptbetroffen wären einmal mehr die FRAUEN! 

Nicht mit uns! Stattdessen: Reichtum gerecht verteilen, Ungerechtigkeit beenden, soziale Gerechtigkeit schaffen!

 

2 Gedanken zu “Tag 8

  1. *schmunzel*
    Glückwunsch nachträglich 🙂
    Und ja, doch, auch BMS BezieherInnen bekommen zum Geburtstag mal Kuchen oder so, wenn sie liebe Freunde haben.
    Aber sie können sich die Magentabletten, die sie danach brauchen, nicht mal eben locker flockig selber kaufen, sondern nur, wenn sie sie verschrieben bekommen.
    Oder die frei verkäuflichen Schmerztabletten, damit damit wir Frauen auch 30/31 Tage im Monat „funktionieren“. Oder die Magnesiumtabletten. Das sind schließlich nur Nahrungsergänzungsmittel, die zahlt keine Kassa…
    Aber an einem Buffet *nicht* essen, das würde wohl kaum ein/e BMS BezieherIn
    Im Gegenteil, da schlägt man wohl zu, denn es ist lecker und gratis. Und kriegt innerlich das heulen, wenn man dran denkt, dass am Ende des Tages die Reste einfach weggeworfen werden, obwohl damit wahrscheinlich nochmal einige Menschen satt werden könnten. 😦

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  2. Lieber Herr Kovacs
    Ich finde es sehr mutig von ihnen diesen Selbsversuch zu machen , und das sie sich in die Lage eines Menschen der jeden Cent dreimal umdreht, bevor er ihn ausgibt . Ich selbst lebe unter der Mindestsicherungsgrenze weil das Ams mir zu viel zahlt, und dem Sozialamt ist es anscheinend zu viel aufwand mir 90 Euro zu zahlen das ich auf 837 Euro komme , in Wien ist es auch so das man wenn man die Mindessicherung nicht bezieht auch keinen Anspruch auf Wohnbeihilfe usw hat . Und so gehts einem als Österreicher wenn man aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten gehn kann .
    Ich hoffe das mehr Menschen der Oberen Klasse einmal einen Tag reinschnuppern ins Arm sein vl ändert sich ja dann etwas !!

    Als kleiner Tipp in Wien gibts so etwas wie Foodsharing, da kann man auch oft gute Sachen erwischen und es kostet nichts .

    Ich wünsche ihnen viel Kraft und weitere Erkenntnisreiche Tage

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