Tag 3

Der Wecker läutete um 7:00. Schnell ein paar Mails und Arbeit am Computer erledigt. Dann auf ins Spital zur Kontrolle meines Außenbandrisses. Ärztliche Anordnung: Sechs Wochen Sportverbot und das Tragen einer Air Cast Schiene bei Tag & Nacht. Tennisstunden sollten deutlich früher wieder gehen. Müssen sie auch. Denn als SVA Versicherter bekomme ich kein Krankengeld. Dafür müsste ich mich schon privat versichern. Ok, stimmt nicht ganz. Ab dem 43. Tag
bekommt man 27,73 Euro pro Tag Krankengeld. Wenn man/frau es also bis dahin schafft, kann man sich dann an Tag 43 einen Strick damit kaufen. 😉

image

image

Dieses Beispiel zeigt sehr gut, wie schnell es gehen kann, dass Einpersonen- bzw. Kleinunternehmen in prekäre Situationen abrutschen. Man stelle sich vor, nicht das Außenband am Sprunggelenk, sondern die Achillessehne wäre gerissen. Neun Monate Pause und nicht privat zusatzversichert. Viel Glück. 

 

Um jedoch nicht zu weit vom eigentlichen Thema abzudriften, kommen wir zurück zu meiner Situation. Ich habe gleich doppelt Glück. Ich kann schon bald wieder „eingeschränkt“ meiner Arbeit am Tennisplatz nachgehen und die Kosten für die Air Cast Schiene erspare ich mir auch – dank einer Tenniskundin, die mir ihre gratis weitergereicht hat. Bandverletzungen sind im Tennisbereich leider keine Seltenheit. Das geteilte Unglück war in diesem Fall mein finanzielles Glück. Doch wer hat das schon und wer kann sich auf Glück verlassen?

Ich möchte gar nicht daran denken, wie es um mein Monatsbudget bestellt wäre, müsste ich die Kosten selbst tragen…

 

Nach dem Spital ging es zu weiteren Terminen. Sitzungen und Gespräche mit Bürger_innen standen auf dem Programm. All das findet diesen Monat vornehmlich in grünen Büroräumlichkeiten statt, von Treffen in Kaffeehäusern versuche ich weitgehend abzusehen. Es macht einfach keinen Spaß, nur Wasser zu trinken oder immer im Hinterkopf mitrechnen zu müssen. 

 

Am späten Nachmittag/Abend stand dann wieder meine Tenniscoachingaufgabe am Programm. Und zwar bei den Jugend-Landesmeisterschaften in Wr. Neudorf. Das Ticket mit der Badner Bahn kostete mich hin und retour 4,40 Euro. Bin ich froh, die 365€-Jahreskarte zu besitzen. Da kann ich wenigstens innerhalb Wiens „gratis“ fahren. Die Ausweitung der Jahreskarte auf das Wiener Umland wäre ein nächster wichtiger Schritt zur leistbaren Mobilität. Leistbare Öffis sind ein zentraler Eckpfeiler für ein selbstbestimmtes, mobiles, leistbares Leben. 

image

Gut, dass es in Wien auch den sogenannten Mobilpass gibt. Der Mobilpass fördert die Mobilität von sozial schwachen Menschen in Wien. Er kann bei der Abteilung für Soziales, Sozial- und Gesundheitsrecht, Referat Soziale Leistungen (MA 40) beantragt werden. Mehr Infos unter: https://www.wien.gv.at/amtshelfer/gesundheit/gesundheitsrecht/ausweise/mobilpass.html

 

Am Ende von Tag drei gönne ich mir dann doch noch einen Lokaltermin und gebe für ein Fritz Kola 3 Euro aus. An früheren Tagen ist’s nie bei einer Cola geblieben.  

 

Kontostand: 188,36 Euro

 

FAKT!

Wie viele Menschen leben in Österreich zur Gänze von der Mindestsicherung?

Gerade einmal 0,18% der Bevölkerung.

Die Ausgaben für die Mindestsicherung beliefen sich im Jahr 2013 auf 600 Millionen Euro.

 

Zum Vergleich: Die Ausgaben für Sport und Freizeit lagen bei 900 Millionen Euro.

Und immer noch das tragischste aller Beispiele: Was hat uns im Vergleich dazu die Hypo gekostet? Richtig, bis zu 19 Milliarden Euro. Damit könnte man für die nächsten 30 Jahre und sogar etwas darüber hinaus die gesamten Kosten für die Mindestsicherung tragen. 

8 Gedanken zu “Tag 3

  1. „Müssen sie auch. Denn als SVA Versicherter bekomme ich kein Krankengeld.“
    1) Leben Sie ja diesen Monat von der Mindestsicherung.
    2) Sollte jeder Selbstständige so schlau sein und sich Gedanken über Notzeiten machen.
    3) mit den 27,73 Euro Taggeld sind Sie dann eh wieder bei der Mindestsicherung angelangt.

    Gefällt mir

  2. Nur um diese 19 Milliarden in eine vorstellbare Relation zu den 600 Millionen zu setzen…

    Hätte man diese Summe den 0,18% der Bevölkerung zukommen lassen, hätte jeder anstelle der mageren €232,75 pro Monat doch recht ansehnliche €7.362,50 bekommen.

    Gefällt mir

  3. Hallo!

    Eine Frage zu den 7,50 € – wie rechnet sich das um auf einen Mehrpersonenhaushalt, ich nehme an, es wird nicht einfach verdoppelt? Wie wirken sich Kinder aus?
    Wenn ich das richtig verstanden habe, muss damit alles bestritten werden – Lebensmittel, Schulutensilien, die kaputte Waschmaschine ersetzen, Öffitickets und Kleidung?
    Abgezogen sind Miete, Gas/Strom, Telefon, Gis, Versicherungen?

    Weiterhin alles Gute, liebe Grüße

    Gefällt mir

  4. dramatsch. da zahlen wir Steuerzahler dir nur ein Fritzcola alle 3 Tage? wie überlebt man das? klassisch grün. NULL Selbstverantwortung, null Voraussicht aber fest jammern. (PS und ja die hypo leut gehören alle auf selibges existanzminimum gepfändet – ohne fritzcola auch wenn das vermutlich folter in bobotown íst)

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s