Tag 2

Mit einem Guthaben von 230,49 Euro starte ich in den zweiten Tag.
Erster Einsatz war heute am Tenniscourt. Meine Schülerin startete um 10h in ihr Finalspiel bei einem der größten nationalen Turniere des Jahres. Der Wecker läutete pünktlich um 6:30, um 8:00 stand das Warm Up auf dem Programm. Am Ende gab es leider eine Niederlage und das Durcheinanderwirbeln meines Tagesplans. Ein Tennismatch dauert halt nie 2x 45min, manchmal geht’s ganz rasch und heute dauerte es eben über 3h. Gekostet hat’s mich auch was: 58 Cent für einen Kaffee aus dem Supermarkt und einen „schmerzlichen“ Euro für die Banane für meine Spielerin. Sie hatte ihre zuhause vergessen. So schnell geht’s. Den Euro verlange ich trotzdem nicht zurück. Für den heroischen Kampf über drei Stunden hat sie sich die Banane mehr als zweimal verdient.

Der Zeitplan war jedenfalls so hinüber, dass ich dann um mein Mittagessen umfiel und sich der finale Abendtermin im Parlament dann heute doch nicht ausging, da alle anderen Termine im prall gefüllten Kalender, nach hinten rutschten. Schade, aber so ist das Leben. Was ich geschafft habe: Den ins Auge gefassten Großeinkauf zu machen. Ihr findet die Einkaufsliste bei den Bildern anbei. Trotz Diskonter muss man bei dem einen oder anderen Preis immer wieder mal kräftig schlucken und entdeckt, dass man sonst eigentlich viel zu sorglos durchs Lebensmittelgeschäft stürmt und so manchen Preisvergleich vergisst.

Etwas Bammel habe ich vor morgen. Da steht mein Kontrolltermin im Spital an. Ich habe mir ja vor zwei Wochen mein Außenband am linken Sprunggelenk gerissen. Jetzt habe ich keine Angst vor der Kontrolle, aber davor, was denn danach eventuell zu besorgen ist und wie sehr dies mein Budget beeinträchtigen könnte. Ein leistbares und qualitativ hochwertiges Gesundheitssystem ist Gold wert. Kurz nachdem die Verletzung passierte, rief ich ein paar Sportordinationen durch, weil es mir mit den Terminen bei Kassenärzten einfach nicht schnell genug ging. Die Angebote lagen im Durchschnitt bei 180.- pro Behandlung. Leistbar ist was anderes. Das dachte ich mir damals. Und das kam damals wie heute nicht in Frage.

Kontostand: 198,40 Euro
Was dieser Monat nicht ist…

Was Grundlegendes möchte ich auch noch loswerden: Ja, meine Aktion ist keinesfalls mit der echten Situation einer Mindestsicherungsempfängerin vergleichbar. Ich muss mir z.B. keine echten Sorgen um Reparaturen oder dergleichen machen. Sollten welche anstehen, zahle ich sie eben im April. Ich weiß auch, dass ich nicht mit nichts dastehe, sollte das Geld vor Monatsende ausgehen. Ich habe zum Glück auch keine Kinder, die diesen Monat auf Schulschikurs fahren möchten oder eine bevorstehende Zeckenimpfung oder eine andere Sonderausgabe. Und wenn doch, dann weiß ich, dass ich nur ein Monat warten muss. Es ist auch leichter, einen Monat lang auf Kinos und Partys zu verzichten, statt bei jeder Freizeitgestaltung 12 Monate hindurch ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. All das geht an mir vorüber. Mir geht‘s gut. Ich maße mir nicht an, meine Situation auch nur ansatzweise mit der von tatsächlich Betroffenen zu vergleichen. Ein absolutes „NO GO“!

Was will ich dann damit?

Wachrütteln! Denn das wahre „Spiel“ dass da draußen gespielt wird, das spielt schwarzblau. Und dieses Spiel nennt sich „Sozialabbau“. Darauf gilt es aufmerksam zu machen. Das gilt es mit aller Macht zu verhindern. Wir wollen keine Sozialleistungen als Almosen verstanden wissen, wir wollen vielmehr in einer Stadt leben, die niemanden zurücklässt und Menschen, die abgerutscht sind, selbstbestimmt und selbstbewusst wieder in den Alltag zurückbefördern. Das rotgrüne Wien schafft das. Aber meine Warnung ist ernst gemeint. Und die Angst ist begründet. Nicht vor der Wiener 5%-Partei des Hrn. Blümel, aber vor den schwarzblauen Bestrebungen in anderen Bundesländern, durch den Bruch von 15A-Vereinbarungen und anderen Verfassungswidrigkeiten das soziale Gleichgewicht im gesamten Land und auch in unserer Stadt aus den Fugen zu reißen.

Was es stattdessen braucht?

Den Kampf für eine gerechte Verteilung des Reichtums. Vermögenssteuern, Leerstandsabgabe, Arbeitszeitverkürzung, mehr Lohn für Arbeit, u.v.m.

Für all das möchte ich in diesem Monat ein Sprachrohr sein. Und da nehme ich jede Kritik und Watschen für meine Aktion gern in Kauf. Denn wie heißt es so schön:

„It’s better to create something that others criticise, than to create nothing and criticise others.“

 

Zum Schluss möchte ich noch folgenden Mythos aufbrechen:

„Mindestsicherungsbezieher_innen sind doch alle arbeitslos und bekommen weit über 800 Euro.“

Das ist FALSCH. Aber es zeigt sehr gut, wie aus einem von der ÖVP lancierten Gerücht ein urbaner Mythos und schließlich eine geglaubte Wahrheit wird.

Hier die tatsächlichen Zahlen von Wien:

Bildschirmfoto 2016-03-02 um 09.27.48

Der große Brocken im Bereich der Mindestsicherung sind Ergänzungsleistungen, sprich, wenn das Einkommen zum Auskommen nicht reicht.

Deshalb: LÖHNE RAUF, nicht Mindestsicherung runter.

 

3 Gedanken zu “Tag 2

  1. Eine Frage: „Wenn der Anspruch auf Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe niedriger ist als die Mindeststandards der Bedarfsorientierten Mindestsicherung und kein relevantes Vermögen vorhanden ist, kann eine ergänzende Mindestsicherungsleistung bezogen werden“ (Quelle Arbeiterkammer) – Arbeitslosenzahlen fallen doch in den großen Brocken der Ergänzungsleistungen? Oder sehe ich da etwas falsch. Respekt für Ihren Selbstversuch Herr Kovacs – so oder so ein guter, medial wirksamer Versuch.

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