Für ein leistbares „Wohnzimmer“ Ottakring. Aufwertung JA, überbordende Gentrifizierung NEIN.

Gentrifizierung ist wie eine gute Serie, die ab der sechsten Staffel immer schlechter zu werden beginnt. Aber beginnen wir mal von vorne.

Es war einmal das Brunnenviertel. Ein Grätzl, in dem viele alte Häuser und heruntergekommene und dem Verfall freigegebene Wohnungen standen. (Fast) niemand wollte hier herziehen. Zumindest niemand, die/der es sich aussuchen konnte.

Bis auf ein paar wenige Künstlerinnen und Künstler. Für sie war das Viertel eine wahre Inspiration, eine Chance, in einem günstigen Umfeld in leerstehenden Geschäftslokalen, Studios und Ateliers einzurichten. Immer mehr Künstler_innen kamen so nach Ottakring und auch der Bezirk hatte die Zeichen der Zeit erkannt und begann in eine Aufwertung zu investieren. Den Künstler_innen folgten die Student_innen und EU-Bürger_innen, die sich in diesem aufblühenden, kreativen und immer noch günstigen Umfeld pudelwohl fühlten. So wurde das Brunnenviertel immer hipper und schaffte es in wenigen Jahren vom Platz wo niemand wohnen wollte, zum „place to be“. Dies zeigt auch ein Blick auf die Reiseführer Wiens. Der Brunnemarkt und der Yppenplatz dürfen da nicht fehlen. Sie gelten als ein hippes, aufstrebendes Künstler_innenviertel, das besucht werden muss.

Der Kunst folgte die Gastro. Diese krallte sich vor allem den Yppenplatz; auch kein Fehler, trugen doch Schanigärten und Co. wesentlich zur Aufwertung und Verkehrsberuhigung dieses Teils des sechzehnten Bezirkes bei. Soweit zum guten Teil der Serie, bis Staffel 5.

Wir befinden uns aktuell wohl schon eher in der sechsten oder gar siebten Staffel. Längst haben Immobilienhaie und Spekulanten das Brunnenviertel als ihre ganz persönliche Goldgrube entdeckt. Und sie arbeiten zielstrebig daran, den Charme des Viertels nach und nach zu zerstören. Es kann nicht sein, dass Künstler_innen und Studierende, die in der ersten Phase der beginnenden Gentrifizierung nach Ottakring gezogen sind und selbst maßgeblichen Anteil an der Aufwertung des Brunnenviertels hatten, jetzt wieder aus ihren Wohnungen, Studios und Ateliers ausziehen müssen. Wir wollen den Charme des aufgewerteten Brunnenviertels erhalten und das langfristige Abdriften in eine „Schickimicki-Area“ verhindern. Das schafft man aber nur mit einem entschiedenen Vorgehen gegen Immobilienspekulation und mit einer dringend notwendigen Mietrechtsreform. Dafür ist es längst 5 nach 12. Handeln wir jetzt, damit Ottakring ein leistbares „Wohnzimmer“ für uns alle bleibt!

Die Politik hat sich lange genug mit der Aufwertung gerühmt. Sie hat diese Aufwertung aber nicht alleine zustande gebracht, sondern gemeinsam mit den oben beschriebenen Menschen, die sich jetzt das Leben dort schon bald nicht mehr leisten können. Wollen wir das?

Nein, mit Sicherheit nicht! Und deshalb ist es die Pflicht der Politiker_innen sich kein Blatt mehr vor dem Mund zu nehmen und offen über Verstaatlichung und Enteignung zu diskutieren. Wir dürfen die Menschen nicht als Spielball den Immobilienhaien überlassen und müssen alternative Wege finden, wie eine Gentrifizierung auch einen nachhaltig, positiven Nutzen für uns alle haben kann. Damit unser Ottakring, unser Wien für uns alle leistbar bleibt.

Die Grünen Ottakring und die Jungen Grünen Ottakring haben sich in einem Videoclip gemeinsam der Sache angenommen. Diesen Clip kannst du unter folgendem Link nachsehen:

https://www.youtube.com/watch?v=Mzb-6zU2b68

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