Wider den schwarzblauen Märchestunden zum Thema Mindestsicherung.

Ich habe mich schon mal auf das heutige „Im Zentrum“ zum Thema Mindestsicherung vorbereitet.

Passender Titel: „Wer bietet weniger?“

Ein paar Antworten, um den peinlichen, menschenverachtenden Populismus von Lopatka und Haimbuchner vorab besser zu entschlüsseln. 

Führt eine Kürzung der Mindestsicherung dazu, dass sich Arbeit wieder lohnt, so wie das die ÖVP immer behauptet? NEIN. 

Kein/e Arbeiter/in bekommt auch nur einen Cent mehr. Sie/er kann sich weiterhin mit viel zu hohen Mietpreisen herumschlagen und über Lebensmittel ärgern die im Vergleich zum eigenen Lohn preislich explodieren. 
Richtig wäre: Steuern auf Arbeit runter und Löhne rauf. 

Geht es der ÖVP dann überhaupt um die Arbeiter_innen? NEIN.

Die ÖVP kann Arbeit nicht mal buchstabieren. Machtkalkül schlägt mal wieder Inhalt und Moral. Man opfert die Ärmsten für die Option von Neuwahlen und möglicher blauschwarzer Irrläufe. 

Will man die Mindestsicherung kürzen, weil es zu Fällen von Betrug gekommen ist? NEIN.

Studien liegen vor, die ganz klar besagen, dass der Anteil des Sozialbetrugs unter den Bezieher_innen verschwindend gering ist. Gegen 1% und diese „Einzelfälle“ werden von schwarz und blau trotz allem theatralisch vor den Vorhang geholt. Bei den Reichsten verhält es sich genau umgekehrt. Nahezu alle Großkonzerne nutzen Steuerschlupflöcher und Steuervermeidungsmodelle und betrügen den Staat um satte 12 Milliarden Euro im Jahr. Der jährliche Gesamtbetrag der Mindestsicherung macht davon 1/13 aus. Rührt hier die ÖVP oder die FPÖ auch nur einen Finger? Natürlich nicht. 


Stimmt es, dass wir uns die Mindestsicherung nicht mehr leisten können? NEIN.

In Zeiten, wo die ÖVP überlegt die Körperschaftssteuer für Unternehmen um 5% runter zu setzen und so schnell mal 1,5 Milliarden locker zu machen, kann es keine Notwendigkeit geben, bei den Ärmsten zu sparen. Das Geld, dass im Zuge der Mindestsicherung ausbezahlt wird, fließt fast zur Gänze wieder in den Wirtschaftskreislauf zurück. Von 7,50.- am Tag bleibt dir einfach nichts zum Sparen. Die Superreichen hingegen besitzen Briefkästen in der Karibik und ihr Geld geht für immer dem österreichischen Steuerzahler_innen verloren. 
Wir konnten/mussten uns sogar die Hypo leisten. Mit den dort in den Sand gesetzten 19 Milliarden, hätten wir die nächsten 25 Jahre die Mindestsicherung ausbezahlen können. 

Wollen Mindestsicherungsbezieher_innen alle nicht arbeiten, wie es ÖVP und FPÖ mit dem Bild der „sozialen Hängematte“ denn immer behaupten? NEIN.
Die Mindestsicherung ist das Mindeste. Sie soll einem helfen, wenn man in Not geraten ist. Das kann jedem von uns passieren. Sie ist aber alles andere als ein Leben in Luxus wie es die ÖVP erzählt. Die aktuellen Beträge, die ausbezahlt werden, liegen schon jetzt unter dem Existenzminimum. Jetzt soll es noch weiter runter gehen. 
Richtig wäre: Investionen in den Arbeitsmarkt. Wir brauchen einen kleinen Marshall-Plan für Jobs. Denn die Arbeitslosenzahlen steigen und steigen und immer mehr Menschen stehen ohne Jobs da. Andere haben Jobs und verdienen nicht mal genug um ein Auskommen mit dem Einkommen zu finden. So darf es nicht weitergehen. 
Wahrlich eine ökonomische Hängematte der Extraklasse besitzen nicht mastführende Stadträte in Wien, wie Blümel und Stenzel . Beide schreien lauthals nach Kürzungen bei den Ärmsten und kassieren selbst „Peanuts“ von 120.000 Euro im Jahr. 


Was wären die wahren Probleme/Ungerechtigkeiten in unserem Land?
Die immer ungerechtere Verteilung von Vermögen. Die reichsten 3% besitzen aktuell schon mehr als die übrigen 97%. Wir müssen und endlich ernsthaft der Frage der Verteilungsgerechtigkeit widmen. Denn nur soziale Sicherheit, Bildung und ein gutes Leben für alle, sichert die Werte von Demokratie, Freiheit und Selbstbestimmung über Generationen. 

In diesem Sinne gute Unterhaltung bei der Märchenstunde der Gebrüder Haimpatka.😉

Im Zentrum 22:05 ORF2 

Mein Plädoyer für eine neue Generation mutiger Politiker_innen in den Vereinigten Staaten von Europa

Europa wird regiert von Nationalstaaten. Das europäische Parlament hat viel „Hackn“, aber leider viel zu wenig Rechte. Der europäische Rat als Sammelsurium nationalstaatlichen Kleinklein-Denkens hat die Union in Ketten gelegt. Ketten, die nun von den populistischen Ausprägungen des Nationalismus als Schuhlöffel auf dem Weg zurück zu einem Europa der Grenzen und Zäune, genutzt werden.
Wie befreien wir uns aus diesen Ketten? Indem wir erkennen, dass Europa mehr kann als für die Märkte zu arbeiten. Eine Union der Zukunft muss vor allem eines sein: eine soziale Union, die niemanden zurücklässt und wo Solidarität und Menschlichkeit oberste Prämissen sind.

Warnhinweis: Nationalismus gefährdet die Entwicklung

Die Regierenden der Nationalstaaten müssen sich endlich von der Angst schlechter Wahlergebnisse im eigenen Land befreien und Europa mit Mut begegnen. Alles Geld nehmen, die offensichtlichen Schwächen der EU zum vermeintlichen eigenen Nutzen stets anzuprangern und die Stärken als eigene Erfolge einzuheimsen, führt uns an den Abgrund.

PEOPLE OVER PROFIT

Es braucht eine neue Generation von Politiker_innen. Politiker_innen, die in einem Europa ohne Grenzen aufgewachsen sind und die den Mut, die Kraft und die Stärke haben, sich von den nationalistischen Ketten des Systems zu lösen. Ja, wir brauchen einen Systemwechsel. Aber den brauchen wir schon lange. Eine Welt, in der einige Wenige von den Kapitalmärkten profitieren und immer reicher werden, während die große Masse ärmer wird und nur zum eigenen Überleben arbeitet, hat keine Zukunft. Wir alle wollen aber eine haben. Lasst uns deshalb gemeinsam an einem neuen Europa bauen.

Die Vereinigten Staaten von Europa

Es gibt die Vision der Vereinigten Staaten von Europa. Lasst uns diese mit Leben füllen! Lasst uns die Macht der Demokratie und Freiheit zurückgewinnen und die Fesseln der Finanzmärkte ablegen. Ein gerechtes Europa wird nicht in den Börsen des alten Kontinents entstehen, es kann nur aus einer gemeinsamen Kraftanstrengung von uns allen wachsen. Ich möchte daran glauben, dass dies möglich ist. Ich möchte daran glauben und weiß zugleich, dass es wohl die einzige Chance für unsere Generation auf sozialen, kulturellen, ökonomischen und gesellschaftlichen Frieden ist.
UNITED WE STAND, DIVIDED WE FALL.
#brexit

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Die Mindestsicherung ist das Mindeste, sie zu kürzen das Letzte. Meine 750 Cent zu meinem Selbstversuch…

Mittlerweile ist wieder Alltag eingekehrt. Den Monat März, in dem ich um 7,50 Euro pro Tag gelebt habe, habe ich längst hinter mir gelassen. Viele prägende Erfahrungen beziehungsweise Erinnerungen haben sich aber in mein Gedächtnis eingebrannt. Ich möchte keine Sekunde dieser Erfahrung missen und würde exakt so wieder handeln. Denn es war höchste Zeit aufzustehen und die Stimme zu erheben. Weil ich nicht mehr zusehen wollte, wie die ‪ÖVP auf jene hintritt, die eh nur das Mindeste besitzen, habe ich diesen einen Monat bewusst diesen Selbstversuch gemacht und von 7,50 Euro am Tag gelebt. All das, was mir abzüglich der ‪Mindestsicherung von meinem Politikergehalt übrig blieb, nämlich exakt 1.160,56 Euro, habe ich am Ende dem ‪Neunerhaus gespendet. Eine soziale Einrichtung, die wie die Mindestsicherung den Menschen wieder aufhilft, die kurz „hingefallen“ sind. DANKE!

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Zu Beginn des Monats wurde ich vielfach für meine Aktion belächelt und auch kritisiert. Das wandelte sich jedoch im Laufe der Zeit immer mehr in Richtung einer positiven Bewegung, die es geschafft hat, mit dem Tabu „Mindestsicherung“ zu brechen. Endlich wurde mit den Menschen, die auf diese Überbrückungshilfe angewiesen sind, gesprochen, nicht wie davor immer nur über sie. Mein Interview mit Bernadette gegen Mitte des Monats hat diese Entwicklung beschleunigt. Diese junge, mutige Frau hat es geschafft, dass sich hunderte bei mir meldeten, mir ihre Geschichten und Schicksale erzählten und erkannten, dass sie sich alles andere als dafür schämen müssen Sozialleistungen zu beziehen, wie ihnen das die Herren von schwarz und blau immer einzureden versuchen. Viele dieser Geschichten haben mich bewegt, manche sogar tief berührt und mein unbändiger Wille für mehr Gerechtigkeit zu kämpfen wurde dadurch in diesem Monat nur nochmals in enormem Ausmaß verstärkt.

Mein Versuch war wohl am ehesten eine Art Bewusstseinstraining. Einen echten Vergleich mit der Situation Betroffener habe ich von Anfang an nicht angestrebt. So eine Anmaßung lag mir fern. Man kann nicht in einem Monat „fühlen“ was es heißt, auf Mindestsicherung angewiesen zu sein. Reparaturen, unvorhergesehene Kosten, große Anschaffungen, all das und noch mehr sind Dinge, die in einem Monat nicht anfallen. All das sind aber riesige Stolpersteine auf dem Weg mit dem Wenigen, was man hat, bis zum Ende des Monats auszukommen. Was ich in diesem Monat aber sehr wohl gemerkt habe und ich mich daher auch traue zu sagen: Die Mindestsicherung ist das Mindeste, sie zu kürzen das Letzte.
Da können ÖVP und FPÖ noch so sehr die Mär von der „sozialen Hängematte“ erzählen, ihre Schreie nach sozialen Kahlschlag würden umgehend verstummen, wenn sie selbst auch nur annähernd in eine solche Lage kämen. Ich bin froh, in einem Land zu leben, das über ein tolles soziales Netz verfügt und in einer Stadt Politik machen zu dürfen, die keinen Menschen zurück lässt. In den nächsten Jahren wird sich nun entscheiden, in welche Richtung das Land geht. Wählt es schwarz und blau, dann wird es den Abbau des Sozialstaates, eine blinde Privatisierungswut, Korruption und Freunderlwirtschaft 2.0 geben und all das führt das Land in den Abgrund sozialer, kultureller und gesellschaftlicher Konflikte. Ein Land, in dem schon jetzt die reichsten 3% mehr besitzen, als die übrigen 97%, ist ohnehin schon auf dem Weg Richtung Abgrund, der soziale Kahlschlag würde diesen Weg immens beschleunigen und zu Massenarbeitslosigkeit, Armut und Obdachlosigkeit führen. Im Jahr 2035 leben dann auch in Österreich die reichsten 3% hinter selbstaufgebauten Stacheldrahtzäunen aus Angst vor den „bösen Armen“, die ihnen ihren Reichtum wegnehmen wollen.

Wollen wir das? NEIN, mit Sicherheit nicht. Wir wollen einen vernünftigen, zukunftsorientierten Weg der Politik, eine Politik, die ihren Einsatz für die Menschen nicht von der Größe von deren Geldbörse abhängig macht. Wir wollen Reichtum gerecht verteilen und die sich immer weiter öffnende Schere zwischen arm und reich Stück für Stück wieder schließen. Wir schaffen das, indem wir vermögensbezogene Steuern einführen, Steuerschlupflöcher schließen und im Gegensatz dazu die Löhne endlich wieder entscheidend anheben. Bessere Kollektivverträge, der Weg zu einem gesetzlichen Mindestlohn und eine ernstgeführte Diskussion über Arbeitszeitverkürzung sind weitere Bausteine auf dem Weg zu einem gerechteren Österreich.

Es darf in Zukunft nicht so sein, dass jene, die keinen Job finden, oder deren Einkommen zum Auskommen nicht langt, auf jene hinhacken, die 40h arbeiten und trotzdem kaum mehr als den vollen Mindestsicherungsbetrag erhalten. Das ist tatsächlich ungerecht. Das liegt aber nicht an der Höhe der Mindestsicherung, sondern an den viel zu niedrigen Löhnen. Diese führen zu einer höheren Armutsgefährdung und stürzen viele Menschen in prekäre Lebenssituationen. Da dürfen wir nicht länger zusehen. Wir müssen da jetzt handeln. Es ist längt 5 oder gar schon 10 nach 12.

Ich habe lang überlegt, ob ich auch hier nochmals über Essen, Reparaturen, Freizeitaktivitäten und weiß der Kuckuck schreiben soll. Aber es ist eigentlich alles erzählt. Ihr habt gesehen, wie schwer es ist, mit 7,50 Euro am Tag auszukommen. 3/4 gehen da mal locker rein für Verpflegung weg. Da gibt’s dann keine großen Spielräume. Abschließen möchte ich meine kurze Rückschau daher nochmals mit der Behandlung eines Mythos, mit dem ich im Monat März Tag für Tag konfrontiert war.

Achtung Mythos!
„Mindestsicherungsbezieher sind alle arbeitslos und erhalten weit über 800 Euro. Dazu noch jede Menge Begünstigungen. Da braucht man ja gar nicht mehr arbeiten gehen. Da wäre man ja deppert.“

Deppert ist maximal diese Aussage. Aber nicht mal das. Es herrscht leider eine viel zu große Unwissenheit zu dem Thema. Wer noch nie auf Leistungen aus der Mindestsicherung angewiesen war, hat zumeist ein völlig falsches Bild von der Thematik. Deshalb hier nochmals ein paar Zahlen zur Klarstellung.

Der Vollbetrag der Mindestsicherung liegt bei 837,76 Euro. Nur rund 10% der Bezieher_innen erhalten diesen. Der große Rest sind Ergänzungsleistungen. Darunter fallen unter anderem Kinder, Mindestpensionist_innen und Menschen, die trotz Arbeit nicht genug Geld zum Auskommen haben.
Im Betrag der Mindestsicherung ist ein Wohnkostenanteil von 209 Euro enthalten. Aber jetzt finde mal in Wien eine Wohnung um 209 Euro. KEINE CHANCE. Da geht sich bestenfalls ein Garagenplatz aus. Zieht man jetzt die durchschnittlichen Wohnkosten und dazu den Betrag fürs Handy und den Mobilpass (17.-) ab, kommt man im Durchschnitt auf die Summe von 7,50 Euro pro Tag, die einer Mindestsichrungsbezieherin zur Verfügung stehen. Manche haben ein bisserl mehr. Andere noch deutlich weniger. Je nach tatsächlichen Wohnkosten.

Die Mindestsicherung ist die Hand, die einem gereicht wird, wenn man im Leben gefallen ist. Liebe ÖVP, diese Hand lassen wir uns von euch nicht abhacken.

Tag 31

Tag 31, der letzte Tag meines Selbstversuches.

DANKE, dass ihr mich diesen Monat begleitet habt. Euer Feedback, eure Unterstützung, eure Tipps und Tricks, aber auch eure Kritik haben meine Aktion unheimlich bereichert. Die vielen Rückmeldungen und das riesige Echo von Betroffenen sind mein persönliches Highlight.

Bis zum heutigen Tag melden sich immer neue Menschen bei mir, wollen sich zum Austausch treffen, wollen ihre Geschichte erzählen. Wir gemeinsam haben diese Menschen sichtbar gemacht, über die schwarz und blau die längste Zeit hergezogen sind und denen sie noch den letzten Cent wegnehmen wollten. Wir haben gezeigt, dass die Mindestsicherung kein Almosen darstellen soll. Sie ist die Hand, die dir gereicht wird, damit du wieder aufstehst, wenn du am Boden liegst. Sie ist das Mindeste. Sie zu kürzen das Letzte. Genau das haben die ÖVP und FPÖ aber versucht und werden das auch weiter tun. Selbst Milliardendebakel wie die Hypo, Eurofighter, Buwog und Co. verursachen und dann denen, die eh schon kaum was besitzen, noch den letzten Euro aus dem Brösel ziehen und ihnen einreden, dass sie sich schämen sollen. Diese Scham haben wir gemeinsam aufgebrochen. Das Tabu, über die Situation als Mindestsicherungsbezieher_in zu sprechen, haben wir gebrochen. Bernadette, die junge Mutter mit zwei abgeschlossenen Studien, ohne Job und mit Einzimmerwohnung in Meidling, war eine der Ersten. Viele sind ihr gefolgt. Und auch die Medien sind auf das Thema aufgesprungen und haben erstmals mehr MIT den Betroffenen, als nur über sie gesprochen. Alle, die mich jetzt hier und heute loben wollen, sollten also lieber Bernadette und die vielen anderen Menschen, die mir ihre Geschichten geschrieben haben, loben. Wir reden in der Politik oft von Mut, und doch handelt die Masse der Politiker stets feige. Bernadette war extrem mutig. Und diese Menschen, die ihre Geschichten erzählen und ihre Schicksale mit uns teilen, sind es alle.

Und leider werden es immer mehr dieser Schicksale. Weshalb?

Reichtum gerecht verteilen!
Weil die Schere zwischen arm und reich auch bei uns immer weiter aufgeht. Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer – und mehr. Diese Entwicklung muss gestoppt werden. Es muss ein Ende haben, dass sich ein paar Wenige auf Kosten der Masse bereichern. Wir müssen den von schwarzblau begonnenen Verteilungskampf von oben umdrehen und unsere Energie in die Erhaltung und Verbesserung der sozialen Netze, aber gleichzeitig auch in die gerechtere Verteilung des Reichtums stecken. Denn wenn 3% der Österreicher_innen mehr besitzen, als die übrigen 97%, dann läuft gröber was falsch im Land der Berge. Gemeinsam wird es uns gelingen, die Debatte in die richtige Richtung zu lenken und auf jene zu fokussieren, die sich Briefkastenfirmen auf den Bahamas und Steuerschlupflöcher als Hobbys halten. Es ist genug für alle da. Die, die wenig besitzen, müssen nicht mit denen streiten, die noch weniger bis gar nichts besitzen. Genau das wollen die reichsten 3% aber. Tun wir ihnen diesen Gefallen nicht. Spielen wir ihr Spiel nicht mit. Gemeinsam sind wir mehr. Allzu oft in der Vergangenheit war uns das nur nicht bewusst.
Aber jetzt zum finalen Tag. Gestern bin ich mit einem Kontostand von 71 Cent ins Bett gegangen. Da mich die Verkühlung nicht schlafen ließ, musste ich jedoch mitten in der Nacht nochmal raus aus den Federn und habe versucht, mit der Einnahme einer weiteren Aspirin-Tablette in den Schlaf zu finden. Das habe ich geschafft. Damit starte ich den Tag aber eigentlich nur noch mit exakt 1 Cent. Und die roten Zahlen beginnen zu laufen, als mir auch in der Früh der Griff zur Medikamentenschachtel nicht erspart bleibt. Das heißt über den restlichen Tag bräuchten wir eigentlich gar nicht mehr reden. Ich habe bereits überzogen. Ist mein Selbstversuch damit gescheitert? Sicher nicht. Denn ich habe ihn nie als Challenge angelegt. Es gibt ja auch nichts zu gewinnen. Was will ich mir in einem Monat beweisen? Man kann in einem Monat gar nicht annähernd das erfahren, was echte Betroffene über Monate erleben. Diesen Vergleich habe ich nie gewagt, diesen Vergleich habe ich nie angestrebt. Ich wollte von Anfang an Bewusstseinsbildung betreiben. Ob das gelungen ist, lasse ich andere entscheiden. Ich habe es jedenfalls versucht und werde auch über den Monat hinaus eine starke Stimme gegen soziale Ungerechtigkeiten sein.

Natürlich könnte ich heute auch bei Freundinnen und Freunden „schnorren“. Hätte ich ja auch schon im Fall der Medikamente machen können. Hätte ich sicher auch bekommen. Und klar, auch Mindestsicherungsbezieher_innen tun das. Ab und an. Müssen sie wohl. Nur das eigene Gefühl dabei wird wohl von Mal zu Mal schlechter und auch die diejenigen, die was geben, sind wohl nach einigen Monaten nicht mehr so galant. Ja das „real life“ ist hart. Noch härter, als es sein müsste, dank realitätsfremder Politiker_innen von schwarz und blau, die den Menschen, die wenig besitzen, auch das noch streitig machen wollen. Genau die bräuchten aber mehrere Monate solcher Selbsterfahrung, dann würde ihr lautes Geschrei sehr rasch enden und sie würden die Hirngespinste von der „sozialen Hängematte“ und Co. ebenso rasch abbauen. Ich würde es ihnen so gerne verordnen.

Kurz noch zum restlichen Tag. Den Vormittag verbringe ich im Rathausklub. Dann treffe ich gemeinsam mit dem grünen Klubvorsitzenden auf den Liesinger Bezirksvorsteher Bischof. Die dortige Kaffeeeinladung nahm ich gerne an. Danach Wechsel in die Tennisklamotten. Noch schnell ein paar Happen zuhause a la „Restel-Essen“. Und dann sechs Stunden Tennistraining mit einer Thermoskanne Tee und Salbeitabletten im Gepäck.

Am Abend tippe ich dann nur noch die letzten Zeilen meines heutigen Blogeintrages und blicke wehmütig auf einen Monat zurück, in dem ich Erfahrungen gemacht habe, die ich wohl nie vergessen werde. DANKE nochmals an euch ALLE, dass ihr mich begleitet habt. Fühlt euch umarmt.

Kontostand: ERROR

PS: Eine ausführliche Reflexion folgt noch. Ich nehme mir jetzt mal ein paar Tage und dann bekommt ihr diese von mir zu lesen. Also bis bald, meine Freundinnen und Freunde.

 

 

 

Tag 30

Tag dreißig. Der Wecker läutet früh, die Halsschmerzen sind weiterhin da, dazu jetzt auch noch eine verstopfte Nase und leichte Kopfschmerzen. Vor dem Kaffee also erneut ein Aspirin (und wieder ziehe ich mir 70 Cent vom verbliebenen Budget ab). Mein Tagesprogramm ist dicht: Wie so oft vormittags Grüne Wien, am Nachmittag dann Tennis Academy und am Abend nochmals Grüne Wien. Mein gewohnter Rhythmus quasi.

Veränderung passiert nicht im kritikfreien Raum
Heute wäre eigentlich der „zweite Versuch“ des News-Interviews gewesen, das beim ersten Mal wegen der aufpoppenden Hypo/Kärnten-Geschichte abgesagt wurde, aber leider bekam ich auch jetzt wieder nicht die Chance, mich der von Julia Ortner vorgebrachten Kritik an meinem Selbstversuch zu stellen. Schade. Hatte mich echt drauf gefreut.
Dabei sei nochmals erwähnt: Ich bin ebenso dankbar für jede Kritik an meinem „Selbstversuch“, wie auch für Unterstützung oder Feedback jeglicher Art. Kritik ist wichtig und auch angebracht. Ich nehme sie für das, was ich an Erfahrung in diesem Monat mitnehmen konnte, dankend in Kauf. Ich habe in diesem Monat so viele spannende Menschen kennengelernt, interessante Geschichten gehört und Erfahrungen gemacht, die ich nicht missen möchte. In diesem Sinne kann man mich notfalls auch gern mit einem „Kübel“ an Kritik überschütten, ich würde es wieder tun. DANKE an alle, die mich diesen Monat begleitet haben und die mir dabei geholfen haben, die Stimme für all jene zu erheben, die ungerechterweise mit dem auskommen müssen, was vom Verteilungskuchen für sie übrig bleibt: Ein ganz kleines Stück. Unser gemeinsamer Kampf geht weiter, weit über diesen Monat hinaus.

Der Selbstversuch, der mehr und mehr zu einer Bewegung wird
Der Strom an Zuschriften reißt auch Ende des Monats nicht ab. Erst gestern erhielt ich Nachricht von Peter*:

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Aus dem Selbstversuch ist eine richtige Bewegung entstanden. Ich bin diesen Monat noch näher an den Menschen dran als üblich und sie gehen mit mir gemeinsam ein Stück des Weges. Ich bin happy, ein Sprachrohr für so viele tolle Menschen, für so viele Schicksale sein zu dürfen. Ich möchte mit ihnen gemeinsam für eine gerechtere Zukunft kämpfen. Weit über diesen Monat hinaus.

Alltagsgeschichten
Statt dem Interview steht diesen Vormittag dann also ein „abgespecktes“ Programm auf meinem Plan. Zunächst ein Treffen mit einer Bürgerin im Grünen Büro, danach ein Austausch mit einer weiteren Mindestsicherungsbezieherin, die sich bei mir gemeldet hat.
Nach dem spannenden Austausch und einem weiteren kohlehydratreichen Mittagessen (Ofenkartoffeln mit Cottage Cheese) heißt’s dann raus aus dem Sakko und rein in die Tennisklamotten. Ein mir mehr als bekannter, nahezu alltäglich stattfindender Wechsel. Am Platz konsumiere ich wie so oft Leitungswasser. Anfangs. Dann muss ich doch zur Geldtasche greifen und bestelle mir einen Tee. Die Halsschmerzen sind zu stark. Ich brauche was Wärmendes für meinen Rachen, auch wenn’s mich 1,80 Euro kostet. Dazu eine frisch gekaufte Banane. Gekauft hab ich mir natürlich nicht nur eine, Kosten daher 2,27 Euro.

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Der Tennistag geht vorüber und es steht wieder ein Klamottenwechsel an – diesmal in die andere Richtung. Schnell haste ich ins Lokal der Grünen Hernals, wo ich heute als Gast ihrer Sitzung beiwohnen darf. Danach konsumiere ich unterwegs noch einen Tee und mache mich dann nach einem langen Tag auf den Heimweg. 

Ich schließe heute die Augen mit einem Kontostand von 71 Cent und im Bewusstsein, dass gerade die letzten 24 Stunden meines Selbstversuches anbrechen.

* Name geändert

Tag 29

Tag neunundzwanzig. Noch drei Tage, denke ich mir beim Aufstehen in aller Frühe. Die Nacht war diesmal extrem kurz, der Tag wird lang. Aber ich freue mich drauf. Nach zwei freien Tagen kann ich es kaum erwarten, wieder auf „Normaltemperatur“ zu laufen.

Zum Start gibt’s die übliche Arbeit vorm PC, dann breche ich auf ins Rathaus. Gegen Mittag nehme ich dort an der Sitzung des Grünen Klubs teil. Das kleine Buffet aus Brötchen und Fingerfood lacht mich zwar an und schreit förmlich „nimm mich“, doch wie schon Anfang des Monats schlage ich das entschieden aus. Bei dem Punkt habe ich mich den Monat über echt gut gehalten. Ich bekam weit mehr Einladungen als sonst (lieb gemeintes, aber nicht notwendiges Mitleid). Es gilt aber das, was ich schon am Beginn meines Selbstversuches in einem meiner ersten Blogeinträge geschrieben habe:
„Danke an alle, die mir im Laufe des Monats alles Mögliche angeboten haben, bzw. die mich ständig einladen wollten. Eh lieb. Aber ladet in Zukunft die ein, die es wirklich brauchen. Ich bin nicht arm. Mir geht’s gut. Ich will lediglich ein lächerliches Monat ein besseres Gespür dafür kriegen, wie es jenen geht, die zu wenig Einkommen zum Auskommen haben. Bei mir geht nach diesem Monat alles wieder seinen gewohnten Gang, andere starten wieder mit 232,50.- oder noch weniger, von vorne.“

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Ein Monat Bewusstseinsbildung auf Verordnung bitte!
Dieser „gewohnte Gang“ startet in wenigen Tagen. Am Freitag ist bereits der erste April. Geändert hat sich für mich trotzdem etwas und das wage ich schon jetzt zu sagen: Ich muss in Zukunft zwar nicht mehr jeden Cent dreimal umdrehen, aber ich werde trotzdem viel bewusster auf Ausgaben schauen. Die Leichtigkeit des Seins wird eine andere werden. So ein Monat Bewusstseinsbildung geht nicht spurlos an einem vorüber. Wenn man sich die schwarzblaue Hetze gegen sozial Schwache so anhört, würde gerade diesen Hetzern dieser Selbstversuch nicht schaden. Man/frau müsste ihnen das bloß verordnen können…
Umso mehr freut es mich, dass die Diskussion endlich in eine andere Richtung geht. Endlich kommen vermehrt Betroffene zu Wort. Mit ihnen zu reden ist tausendmal besser als immer nur über sie. Das Ö1 Morgenjournal hat sich mit Eva, einer ehemaligen Kindergartenhelferin, getroffen.
Eva: „Oft habe ich Mitte des Monats nur noch 10 Euro und dann weiss ich nicht wie ich es schaffen soll. (…) Ich würde alles dafür geben um wieder gesund zu sein, aber ich schaffe es nicht mehr, ich weiss das ich es nicht mehr schaffe.“

Nachzuhören unter: http://oe1.orf.at/artikel/435476
FAKT: Eine von vier Personen in ‪Mindestsicherung‬ hat schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen. via Martin Schenk http://www.armutskonferenz.at/

 

„Magst meine Pommes dazu haben?“
Zurück zu meinem Tag. Nach der Klubsitzung geht’s weiter in Richtung Grünes Haus in der Lindengasse. Davor begehe ich eine große Sünde und mache einen Fast Food Abstecher. Warum? Weil ich nur 5 Minuten Zeit hatte, was warmes, billiges im Magen haben wollte und ich mir gestern nichts vorkochen konnte. Was mir dort passiert ist auch nicht alltäglich. Ich bestelle zwei Hamburger (Kosten 2 Euro), da dreht sich eine junge Frau zu mir und bietet mir ihre Pommes an. Ich schaue erstaunt und bedanke mich und wir kommen ein wenig ins Gespräch über meinen Selbstversuch. Coole Sache. Danach nehme ich mir unterwegs vom Bäcker noch ein Salzstangerl (Kosten: 79 Cent) und setze dann meinen Weg ins Grüne Haus fort.

In der Lindengasse angekommen treffe ich einen Mann, der mich per Mail auf meinen Selbstversuch angesprochen hat und der sich mit mir austauschen möchte. Einer von vielen. Und es werden immer mehr. Jedes einzelne Gespräch, ob kritisch, informativ oder unterstützend, ist eine echte Bereicherung für meine Arbeit. Da ist echt sowas wie eine kleine Bewegung daraus entstanden.
Auf den Bürger folgt die Partei. Landesvorstandsitzung und erneut ist ein Buffet nur für meine Augen, aber nicht für den Gaumen angerichtet. Bleibt den anderen mehr, denke ich mir, nehme einen Schluck von meinem Wasser und einen kräftigen Bissen vom mitgebrachten Salzstangerl.

 

Zeit zu handeln, Herr Sozialminister!

Während der Vorstandssitzung ereilt mich neuer Ärger. Die oberösterreichische Landesregierung versucht sich am sozialpolitischen Amoklauf in Raten und präsentiert die Kürzung der Mindestsicherung für „integrationswillige Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte “ von 914 Euro auf 520 Euro. Das ist irre. Jede ernsthafte Integrationsbemühung wird mit diesem Sturz unter die Armutsgrenze im Keim zum Ersticken gebracht.

Die ganze Geschichte kann man hier nachlesen: http://mobil.derstandard.at/2000033812315/Mindestsicherung-in-OberoesterreichSchwarz-Blau-will-auf-520-Euro-kuerzen

Ich fordere Sozialminister Stöger auf diesen Wahnsinn endlich zu stoppen und Verfassungsklage vor dem VfGH einzubringen! Es reicht!

 

Am Ende des Tages noch ein Abstecher in ein Lokal zum gemütlichen Beisammensein nach der Vorstandssitzung. Ich bleibe nur zehn Minuten und konsumiere nichts. Ist dieses Monat einfach nicht mehr drin. Zuhause angekommen, sind leider auch die Halsschmerzen wieder zurück. Ich werfe mir ein Aspirin complex ein und ziehe dafür 70 Cent von meinem Konto ab. Hätte ich mir eine frische Packung kaufen müssen, wäre ich hiermit pleite.

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Die Ausgaben für Verpflegung beliefen sich heute auf 2,79 Euro und damit bleiben mir für die letzten beiden Tage 6 Euro und 58 Cent.

DANKE, dass ihr mich begleitet.

Tag 28

Tag achtundzwanzig. Das Ende meines Selbstversuches nähert sich mit großen Schritten. Geld ist ohnehin keins mehr da, finanzieller Spielraum war auch nie wirklich einer vorhanden.
Heute lasse ich es ruhig angehen. Ausschlafen, in aller Ruhe frühstücken und dabei Nachrichten nachgucken. Fast nur bad news, wären da nicht die drei Vorwahlsiege von Bernie Sanders in Alaska, Washington und auf Hawaii. Es wird verdammt schwer, das „Race“ gegen Hillary Clinton noch zu gewinnen, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Und Barack Obama war schließlich auch ganz lange der „chancenlose Außenseiter“.

Den Vormittag verbringe ich hinter dem PC. Es hat sich wieder ordentlich Arbeit angestaut, sowohl von Seiten meiner Tennis Academy, als auch bei uns Grünen. Mails, Mails, Mails und dazu noch ein wenig inhaltliche Vorarbeit für die bevorstehende Arbeitswoche.
Zu Mittag koche ich mir, und jetzt dürft ihr dreimal raten…? Ja richtig, Nudeln. Heute mal wieder mit Cottage Cheese. Geht schnell, ist mega einfach zuzubereiten und schmeckt mir trotzdem. Den frühen Nachmittag verbringe ich heute auf Couch und Fußboden. Auf der Couch zum Schauen meiner Lieblingsserien (Akte X, The Walking Dead, Fringe,…) und am Fußboden für meine täglichen Fitnessübungen. Müsste ich nicht immer noch die Schiene tragen und wäre mein Außenband wieder 100% fit, dann würde ich heute unter Garantie laufen gehen. Das frühlingshafte Wetter ist echt ein Traum. Aktuell bleibt mir nur ein Spaziergang am späten Nachmittag. Den genieße ich in vollen Zügen. Ich komme bei einem Eisladen vorbei und der hat auch tatsächlich schon offen. Aber 1. hätte ich aktuell echt kein Geld dafür und 2. sind meine Halsschmerzen noch nicht ganz besiegt. Also lasse ich das lieber.
Unterwegs merke ich, dass eine Toilette jetzt von Vorteil wäre. Die erste, wie das Schicksal so spielt, ist aber eine „GEGEN GEBÜHR“. Nein danke, denke ich mir und hüpfe ins erste Restaurant und bitte darum, die Toilette benutzen zu dürfen. Das freundliche „Ja“ überrascht mich sogar ein klein wenig. Gut, immerhin 50 Cent gespart. Ich wäre ja ohnedies dafür, dass öffentliche Toiletten gratis sind, aber das ist eine andere Baustelle.

Später treffe ich noch Freund_innen und Kollegen zum gemütlichen Austausch. Georg war so lieb und brachte mir in einer Thermoskanne Kaffee mit. Und schon genossen wir den Yppenplatz ohne jeglichen Konsumzwang. Sehr cool war das.

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Versteuerst du schon oder versteckst du noch? Warum die Reichen immer reicher werden…
Am Abend setze ich mich nochmals vor meinen Computer und arbeite an meinem Blogbeitrag zum Tag. Dabei möchte ich heute natürlich auch wieder jene wenigen Prozent näher betrachten, die auf die „Butterseite“ des Lebens gefallen zu sein scheinen. Dazu gehören in jedem Fall große Konzerne wie Apple, Google oder auch IKEA. Anhand von Letzteren haben die europäischen Grünen und mit ihnen Michel Reimon erst kürzlich aufgezeigt, wie leicht Steuermillionen am Fiskus vorbei transferiert werden können. Einzige Voraussetzung: Man ist groß genug, um Briefkastenfirmen und Steuerschlupflöcher zu seinem Hobby zu machen.

https://www.reimon.net/2016/02/12/ikeas-steuertricks-versteuerst-du-schon-oder-versteckst-du-noch/

IKEA ist dabei aber längst kein Einzelfall, eher die Regel.
Ich sage es am Besten mit den Worten von Attac: „Die Rahmenbedingungen schufen Regierungen in aller Welt, die dem Steuerwettbewerb verfallen sind und eifrig Unternehmenssteuern absenkten sowie Tricksereien erleichterten. Das ist schon lange ein Skandal, angesichts der Krisen und verschärften Ungleichgewichte in Europa und weltweit jetzt aber gänzlich untragbar geworden. Die Steuervermeidungsindustrie muss gestoppt werden! Daher müssen die jetzigen Steuer-Schlupflöcher gestopft werden, und zwar richtig! Wir brauchen eine grundlegende Reform der Unternehmensbesteuerung und fordern die Gesamtkonzernsteuer/ Unitary Tax! Schluss mit der Bilanzen-Verhüllung und Gewinnverschieberei!“
Mehr Infos unter: http://www.attac.at/kampagnen/steuertricks-stoppen.html

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Dies verdeutlicht sehr gut und plakativ die allgemeine Situation in unserer Welt. Bist du erst „oben“, wird es dir in vielem recht einfach gemacht weiter „aufzusteigen“ und in überbordendem Reichtum zu leben. Leider gilt dasselbe auch umgekehrt. Bist du erst unten, wird es dir alles andere als leicht gemacht, da wegzukommen. Die Mindestsicherung ist ein „kleiner Anker“. Nicht, um nach oben in die „Suite“ des Lebens aufzusteigen, nein, aber immerhin verhindert sie das Abrutschen in den Keller.
Was wir brauchen, ist ein gesamtgesellschaftliches Umdenken. Es geht nicht an, dass die, die es sich richten können, auf Kosten der Masse immer reicher und wohlhabender werden.
Deshalb muss die Forderung nach einem SYSTEMWECHSEL verdammt laut sein: WIR WOLLEN DEN REICHTUM GERECHT VERTEILEN! Und gemeinsam schaffen wir das auch.

Nach dem Großeinkauf vom Samstag habe ich die beiden freien Tage fast ohne weitere Ausgaben überstanden. Einzig 1 Euro ging für einen Sesamring beim türkischen Bäcker drauf. Bleiben mir für die letzten drei Tage 10,07 Euro.

Tag 27

Tag siebenundzwanzig und mein Tagesbudget ist mittlerweile von 7,50 Euro auf 2 Euro und 20 Cent pro Tag zusammengeschrumpft. Warum? Habe ich etwa kopflos mit Geld umher geschmissen? Ausgaben getätigt, die extrem unpassend beziehungsweise echt unnötig waren? Habe ich meine Freizeit genossen und war z.b. im Kino oder im Fitnesscenter? War ich zu den Feiertagen gut essen? Sind Reparaturen angefallen? Musste ich Geschenke für andere kaufen? Hatte ich eine hohe Stromnachzahlung?
Die Antwort auf all diese Fragen ist die gleiche: NEIN!

Nein, weil 232,50 Euro im Monat auch so schon verdammt wenig zum Leben sind. Dieses Resümee traue ich mich schon heute, fünf Tage vor Ende meines „Selbstversuches“, stellen. Deshalb kann ich auch sehr gut die Forderung von Volkshilfe Geschäftsführer Erich Fenninger, nach einer Aufstockung der Mindestsicherung, nach voll ziehen.

Mehr dazu unter: http://kurier.at/politik/inland/spoe-zerstoert-sich-mit-dieser-politik-selbst/188.821.490

Armut in einem der reichsten Länder der Erde.

Wenn wir schon über die Mindestsicherung diskutieren wollen, dann darüber ob es Aufstockungen braucht und sicher nicht über Kürzungen. Dieser grausliche Verteilungskampf von oben, den ÖVP und FPÖ da angezettelt haben, muss ein Ende haben. Die Diskussion muss am anderen Ende geführt werden. Dort wo die 3 reichsten Prozent über mehr als die Hälfte des gesamten österreichischen Vermögens verfügen. Nicht bei den unteren 50%, die nichts bis fast nichts vom „Kuchen“ besitzen. Die Mindestsicherung macht nur einen ganz kleinen Teil im Budget aus („nur“ 0,7% der Sozialausgaben) und ist ein wichtiger Anker für all jene die gerade nicht auf die Butterseite des Lebens gefallen sind. Und das werden in einer Welt, in der Reiche immer reicher werden und die Kluft zwischen arm und reich stark zunimmt, leider immer mehr. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Obwohl Österreich immer noch zu den reichsten Länder der Welt zählt, gelten in Österreich über 1,6 Millionen Menschen (19,2% der Bevölkerung) als armuts- oder ausgrenzungsgefährdet.

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Mehr Infos unter: http://www.statistik.at/web_de/presse/102889.html

Darunter sind mehr als 400.000 Kinder.
„Mehr als jedes zehnte Kind (13 Prozent) unter 16 Jahren ist „von zentralen Lebensbereichen ausgeschlossen. Dazu gehören etwa Zugang zu kindgerechten Büchern, tägliches Obst und Gemüse sowie ein Platz mit ausreichend Licht und Ruhe zum Lernen. Nur die Hälfte der Kinder aus einkommensschwachen Familien kann einmal pro Jahr auf Urlaub fahren. Fast die Hälfte (43 Prozent) der Kinder aus Haushalten mit niedrigem Einkommen übt keine regelmäßigen Freizeitaktivitäten aus, weil das Geld fehlt. Darunter fällt etwa, an kostenpflichtigen Schulaktivitäten (etwa Skikursen) teilzunehmen.“

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Mehr unter: http://oesterreich.orf.at/stories/2717430/

Wien ist die Kinderhauptstadt Österreichs.
Die Stadt Wien ist sich ihrer Verantwortung bewusst und versucht alles, diese Kinder mit zu nehmen, damit sie in unserer Stadt auch echte Chancen und Perspektiven erhalten. Deshalb hat Wien schon 2010 die höchste Kindesmindestsicherung beschlossen und eingeführt und deshalb gibt es an Wiens Schulen auch so coole Projekte, wie jenes der „Gesunden Bio-Jause“.
Mehr dazu unter: https://wien.gruene.at/soziales/gratis-schulobst-kommt-gut-an

So kompliziert das Leben, so einfach war heute mein Tag. Er bestand aus Freizeit, Freizeit und nochmals Freizeit. Und die war heute zum Glück auch völlig gratis und entspannend. Bleiben mir weiter 11 Euro und 7 Cent bis zum Ende des Monats.

Ich wünsche euch allen angenehme Feiertage, eine ruhige Zeit und entspannte Momente. Danke, dass ihr mich begleitet.

Tag 26

Tag sechsundzwanzig möchte ich mit einer guten Nachricht beginnen: Die gestern anklopfende Verkühlung dürfte ich noch rechtzeitig abgefangen haben. Fühle mich heute schon wieder weitaus fitter. Danke euch allen für die zahlreichen Tipps zur Genesung. Kann man immer wieder mal brauchen.

Nach sechs intensiven Tagen Tenniscamp mit meinen Kids bin ich zurück in Wien und das Erste, was ich gemacht habe, beziehungsweise machen musste, war ein „Großeinkauf“ vor den anstehenden Feiertagen. Der ist sich gerade noch ausgegangen. Zum Glück, denn ansonsten hätte ich entweder schummeln oder hungern müssen. Denn mit knapp 30 Euro Restbudget für den Monat kann man auch an Feiertagen nicht groß auswärts essen gehen.
Der angesprochene „Großeinkauf“ war, ob der Tatsache, dass mein monatliches Budget immer knapper wird, auch gar nicht so groß.

Fast neidisch blickte ich heute mehrmals auf die Einkaufswägen und Tragetaschen anderer. Da haben nicht wenige beim Feiertagseinkauf ganz tief in die Tasche gegriffen. Mindestsicherungsbezieher_innen können sich das nicht leisten. Weder zu Ostern, noch zu Weihnachten und schon gar nicht sonst wann im Jahr. Hier muss Monat für Monat jeder Cent mehrfach umgedreht werden. Und sollten wirklich mal ein paar Euro auf der Haben-Seite sein, dann spart man/frau diese wohl lieber für etwaige Reparaturen oder sonstige anfallende Kosten. Darüber sollten alle mal nachdenken, die jetzt während der Feiertage mit der Familie vor dem Braten, dem Karpfen oder sonst irgendeinem Festmahl sitzen. Nein, ihr dürft das ruhig alle ohne schlechtes Gewissen essen, aber bitte denkt dran, wenn ihr das nächste Mal die Mär von der sozialen Hängematte Mindestsicherung erzählt bekommt. Dieses Märchen tischen euch jene Herren von ÖVP und FPÖ regelmäßig auf, die ihren Ostereinkauf wohl beim Meinl am Graben und ihre Geschenke bei Tiffany eingekauft haben. Wir, die Masse, die das nicht tut, sollten daher die Geschichten der Märchenonkel nicht glauben. Dient alles nur zur Ablenkung. Alles nur, weil die Reichsten im Lande nicht wollen, dass wir alle gemeinsam die richtigen Fragen stellen. Die wären nämlich:

Warum ist Reichtum so ungerecht verteilt?
Warum gibt es in Österreich keine Vermögenssteuern, obwohl die reichsten 3% mehr besitzen als die übrigen 97%?
Warum sind unsere Löhne im Vergleich zu den Lebensmittelpreisen und den Wohnkosten seit den 1970iger Jahren quasi um „Null Komma Josef“ gestiegen?
Warum will man denen, die ohnedies nicht mal 4% des Vermögens besitzen (die unteren 50%), noch etwas wegnehmen?
u.v.m.

Aber noch etwas anderes ist mir heute im Supermarkt aufgefallen: Kurz vor Kassaschluss waren noch unzählige frische Lebensmittel auf Vorrat zu haben. Sowohl bei den Backwaren als auch in jeder anderen Abteilung (Fleisch, Fisch, Käse,…). Passt super zum Bild der Wegwerfgesellschaft und führt mich direkt zu einer Petition von Greenpeace, die ich euch allen sehr ans Herz legen möchte.

 

Unterstütze die Petition „Essen verschwenden ist Mist“
http://lebensmittel.greenpeace.at/?utm_source=facebook&utm_medium=post&utm_term=nonsearch&utm_campaign=konsum&__surl__=IgNI8&__ots__=1459013374080&__step__=1

„Essen verschwenden ist Mist!
Unser Lebens­mittel­system hat ein gewaltiges Problem: 30 % der welt­weit produzierten Lebens­mittel landen unangetastet im Müll. Allein in Österreich betrifft dies jährlich min­destens 500.000 Tonnen an ungenutzter Nahrung. Dabei übersteigt unser öko­logischer Fuß­abdruck bereits heute die Grenzen unseres Planeten.
Es ist Zeit, sich drei großen Bereichen der Verschwendung zu stellen:
Zehntausende Tonnen Obst und Gemüse landen jährlich im Müll, weil sie nicht den Ansprüchen des Marktes entsprechen.
Falsches Einkaufsverhalten führt zu unnötigem Müll in den Privathaushalten.
Unmengen an genießbarem Essen werden irrtümlicherweise bereits am Mindesthaltbarkeitsdatum entsorgt.
Wir brauchen endlich gesetzliche Rahmenbedingungen, die unser Essen vor dem Mist retten. Wir fordern daher, einen konkreten österreichweiten Umsetzungsplan zur Halbierung der Lebensmittelabfälle bis 2030!“

Ich würde mich wirklich freuen, wenn viele meinem Beispiel folgen und diese Petition unterstützen.
Nach dieser Werbeeinschaltung zurück zu meinem Tag: Der endet mit selbstgemachten Mohnnudeln und mit einem Blick auf meinen aktuellen Kontostand. Dieser beträgt nach Abzug des Großeinkaufes und Abzug der beiden Weckerl vom Bäcker spärliche 11 Euro und 7 Cent. Bleiben mir pro Tag noch satte 2,20 Euro. Na dann frohe Ostern und gute Nacht.

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Tag 25

Tag fünfundzwanzig läutet die letzte Woche meines „Selbstversuches“ ein und der Tag beginnt denkbar ungünstig. Ich wache mit leichten Halsschmerzen auf. Wohl ein Ergebnis des Outdoorsports der letzten Tage. Bei diesem Übergangswetter ist das Verkühlungsrisiko ja immer gegeben. Gerade dann, wenn rund um einen schon fest gehustet und genießt wird.

Im Normalfall wäre mein erster Weg zur Apotheke und ich würde mir schnellstmöglich Lutschtabletten und eine Packung Aspirin complex besorgen. Deren Preise im Hinterkopf habend, entscheide ich mich aber anders. Denn ansonsten wären meine verbliebenen 40 Euro faktisch schon weg. Alles zu teuer. Da die Halsschmerzen noch nicht allzu schlimm sind, mache ich mich auf den Weg zur nächsten Drogerie und kaufe mir Salbei-Lutschbonbons. Wenn’s nicht hilft, schadet es zumindest nicht, denke ich mir.

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Über Tipps von eurer Seite, wie ich die nahende Verkühlung noch kostengünstig abwehren kann, freue ich mich natürlich. Ich hab keine Lust, zu Ostern zuhause herumzuliegen.

Die Salbeibonbons kosteten mich gerade mal 89 Cent. Gesamt kam ich heute auf Kosten von 9,40 Euro, darunter Ausgaben für Tee, der Rest für Essbares. Darunter heute auch viele Vitamine in Form von Obst. Denn auch das soll ja bekanntlich helfen und dem Körper neue Power geben.

Wieder wird mir bewusst, wie einfach ich es sonst mit derartig kleinen Alltagsproblemen habe und wie groß diese für viele andere Menschen sein bzw. werden können.

Ich betone an dieser Stelle immer, wie wenig meine Situation in diesem Monat mit der Situation von echten Mindestsicherungsbezieher_innen verglichen werden kann. Das war auch nie meine Intention. Umso mehr freut mich aufbauendes Feedback, wie jenes von Sabine.*

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Danke, dass ihr mich begleitet. Gemeinsam werden wir über diesen Monat hinaus daran arbeiten, dass die Welt wieder ein klein wenig gerechter wird.

Kontostand: 30,80 Euro

Fakt:
„Bin ich im Rahmen der Bedarfsorientierten Mindestsicherung krankenversichert?
Im Rahmen der Bedarfsorientierten Mindestsicherung werden alle LeistungsbezieherInnen, die
noch keinen Krankenversicherungsschutz genießen, von den Ländern zur gesetzlichen Kranken-
versicherung angemeldet. An Stelle der oft als stigmatisierend erlebten Sozialhilfekrankenscheine
tritt die E-Card. BezieherInnen der Bedarfsorientierten Mindestsicherung kommen im Rahmen
der Einbeziehung in die gesetzliche Krankenversicherung dieselben Vergünstigungen zu wie Aus-
gleichszulagenbezieherInnen (z.B. Entfall der Rezeptgebühr). Die Krankenversicherungsbeiträge
werden von den Ländern übernommen.
Die Höhe der Krankenversicherungsbeiträge richtet sich nach jenen, wie sie von und für Aus-
gleichszulagenempfängerInnen in derselben Haushaltskonstellation zu leisten wären.“

Quelle: Sozialministerium

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